Tokio Hotel: Comeback mit Orgien-Video

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Tokio Hotel: Comeback mit Orgien-Video
Facebook (https://www.facebook.com/video.php?v=10152481280493650)/Universal Music

Nach langer Zeit gibt es wieder ein Lebenszeichen der Band. Im neuen Musikvideo knutscht Frontmann Bill Kaulitz auch mit Jungs rum – und lässt sich am Ende von einem Typen einen blasen.

Lange war es ruhig um die vier Magdeburger, die mit "Durch den Monsun" im Jahr 2005 den Durchbruch schafften. Damals präsentierte die Band leichte Pop-Rock-Musik, mit der sie vor allem die Herzen von pubertierenden Mädchen zum Schmelzen brachten. Vor allem der Stil von Sänger Bill Kaulitz, heute 25, polarisierte: Er wurde für seine extravaganten Klamotten verehrt, aber auch verspottet. Seine Emo-Frisur, die engen Shirts, dazu Ringe, Ketten, Schminke das alles war neu und sorgte schnell dafür, dass Bill nachgesagt wurde, schwul zu sein.

Zuletzt fielen die Zwillinge Bill und Tom vor allem in der RTL-Show "Deutschland sucht den Superstar" auf, wo sie in der zehnten Staffel neben Dieter Bohlen und Culcha Candela-Sänger Mateo Jaschik in der Jury saßen. Gleichzeitig begannen damals die Gerüchte um ein neues Album, das eigentlich schon im November 2013 erscheinen sollte.

Neues Album am Freitag die Singles davor sorgen schon jetzt für Furore

Jetzt ist es also soweit: Am 3. Oktober erscheint das neue Album "Kings of Suburbia" (auf Deutsch: "Könige der Vorstadt". Zwei Single-Auskopplungen sorgten im Vorfeld bereits für Aufsehen. Im Video zu "Love who loves you back", das am Dienstag Premiere hatte, umgibt sich der sichtbar erwachsen gewordene Bill mit einer Schar an jungen Frauen und Männern.

Facebook (https://www.facebook.com/video.php?v=10152481280493650)/Universal Music

Er küsst nach links, nach rechts, wird am Nacken gestreichelt, gleichzeitig hier und dort und eigentlich überall berührt. Mal hat er dabei ein Netzhemd an, manchmal trägt er nichts als seine Tattoos. Schließlich verschwindet Bill mit einem Mann im Aufzug. Der Sänger drückt seinen Begleiter nach unten, der Aufzug schließt und Bills Hose öffnet sich.

Natürlich schafft die Band es mit so einem Video, wieder die Zeitungen und Klatsch-Magazine zu füllen. Sex sells, das haben auch andere ehemalige Teenie-Stars erkannt: Vor einigen Jahren Britney Spears, die den Micky-Mouse-Club gegen sexy Schulmädchenoutfits eingetauscht hat. Aktuell Miley Cyrus, die sich von Hannah Montana zur kiffenden Sängerin in kurzen Rocken gewandelt hat. Jetzt hat dieser Trend eben auch Tokio Hotel erreicht.

Facebook (https://www.facebook.com/video.php?v=10152481280493650)/Universal Music
Blowjob im Fahrstuhl. Screenshot aus dem Musikvideo.

Blowjob im Fahrstuhl. Screenshot aus dem Musikvideo.

Bills Coming-out oder ein Marketing-Instrument?

Ob das Video wirklich ein Coming-out von Bill ist, darüber lässt sich streiten. Es ist eine gelungene Strategie, um wieder ins Gespräch zu kommen bei einer fast vergessenen Band war das auf jeden Fall nötig.

Viel wichtiger als die sexuelle Orientierung ist doch eigentlich die Musik, die dahinter steckt: Die ist erstaunlich hörbar geworden. Sänger Bill hat immer noch eine zarte Stimme, bei "Love who loves you back" haucht er den wenig tiefsinnigen Text mehr als dass er singt. Trotzdem: Der Song hat Ohrwurm-Potenzial. Und irgendwie steckt ja sogar eine Botschaft darin: "Liebe, wer dich liebt" klingt einerseits sehr biblisch, andererseits geht es um Liebe, die Geschlechter- und Identitätsgrenzen überwindet.

Genau das ist es ja auch, was im Video dargestellt wird: Liebe, Zärtlichkeit, Zuneigung ohne dass das Geschlecht, sondern der Mensch im Vordergrund steht. Denn bei allem Aufschrei: Eigentlich ist das im Video keine Orgie. Die Darstellung ist authentisch, nicht übertrieben und ästhetisch. Das dunkle Licht, von blau bis rot, die innigen Küsse, der Rauch, der morbide Charme der Location: Das ist keine Orgie wie in einem billigen Porno.

Lado Alexi/Universal Music
Tokio Hotel fordern mit "Kings of Suburbia" ihre Krone zurück.

Tokio Hotel fordern mit "Kings of Suburbia" ihre Krone zurück.

Ein masturbierender Plüsch-Hase

Viel billiger daher kommt jedoch das Video zu einem anderen Song vom neuen Album. "Girl got a gun" lautet der Titel, der sehr elektronisch und Synthesizer-lastig ist. Der Refrain besteht aus ganzen vier Wörtern: Girl got a gun (auf Deutsch: "Das Mädchen hat eine Knarre"), die aneinander gereiht werden, abgerundet von einem "bang bang". Der Song macht gute Laune und ist ein Ohrwurm, wohl auch weil er so leicht mitzusingen ist.

Im Video zeigt sich Bill nur am Ende oberkörperfrei. Davor holt sich ein riesiger Plüschhase einen runter. Geschmackloser geht es kaum. Dazu drei überschminkte und überdrehte Frauen, die alles zu einem Phallussymbol erkoren haben, was auch nur entfernt an einen Penis erinnert. Natürlich müssen sie daran reiben. Immerhin bleibt der Song im Ohr. Anfangs verstörend, findet man das Video nach dem dritten Ansehen vielleicht ganz lustig. Aber nur vielleicht.

Kommentare
Kommentare werden geladen
dbna.newsletter
Bleibe immer up-to-date.
Abonniere unseren wöchentlichen Newsletter!
Weitere Quellen: Universal Music/Facebook/Lado Alexi