Ein Twink, der keiner sein will

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Ein Twink, der keiner sein will
Design Pics/Thinkstock/GettyImages - Model/Symbolfoto

Schwule Männer sind besonders gut darin, einander in Schubladen zu stecken. Doch das gefällt nicht allen. Denn nicht jeder Twink ist glücklich damit.

Eigentlich kann sich Sebastian überhaupt nicht beschweren. Er ist groß, hat ein süßes Lächeln und eine tolle Ausstrahlung. Freunde beschreiben ihn als den perfekten Schwiegersohn.

Trotzdem ist der Student, der eigentlich anders heißt, nicht ganz zufrieden. Er wird bald 22, wird aber meist jünger geschätzt. Wenig Bartwuchs, kein Sixpack, jugendliches Aussehen. Sebastian ist ein Twink. Ein Twink, der keiner sein will.

Bären, Cubs, Otter, Twinks: Schwule lieben Schubladen

Schwule und bisexuelle Männer sind wirklich gut darin, einander in Schubladen zu stecken. Anstatt einfach zu akzeptieren, dass die Vielfalt riesig ist, sind im Laufe der Zeit unzählige Labels entstanden.

Nur ein paar Beispiele: Da gibt es die Bären, also die etwas älteren und stämmigeren, behaarten Männer. Ein jüngerer Bär wäre ein Cub, und ein dünner, aber behaarter junger Mann ist ein Otter. Und es gibt Typen wie Sebastian, die Twinks: Jung, dünn, wenig behaart.

Sebastian nimmt es mit Humor, aber es stört ihn dennoch

Das Problem an diesen eigentlich körperlichen Zuschreibungen ist, dass daraus oft auf den Charakter geschlossen wird. Twinks gelten als unreif, naiv und eher unterwürfig. "Es ist wirklich eine ernste Sache. Ich fühle mich oft nicht für voll genommen", sagt der 21-Jährige.

Wikimedia/Daniel Ogren Photography
Justin Bieber, auf dem Foto 15 Jahre alt, galt als klassischer Twink. Er hat sein Image gewandelt: Durch Tattoos, Drogen, Exzesse.

Justin Bieber, auf dem Foto 15 Jahre alt, galt als klassischer Twink. Er hat sein Image gewandelt: Durch Tattoos, Drogen, Exzesse.

Außerdem interessieren sich die Typen, auf die Sebastian steht, oft nicht für ihn. "Ich sehe ihnen zu jung aus, sagen sie. Oder sie antworten gar nicht." An sich kann er darüber lachen, aber tief im Innersten stört es ihn dennoch.

"Alt werde ich von ganz alleine"

Er ist nicht unzufrieden, aber gegen einen "männlicheren" Körper hätte er auch nichts. Mit dem Umzug in eine neue Stadt zum Studieren hat er auch entdeckt, dass er an Männern interessiert ist. Frisch geoutet, neu in der Szene, ist er anfangs fast täglich ins Fitnessstudio gegangen.

Davon hat er zwar einen stärkere Bizeps, aber keinen Freund bekommen. Und je lernintensiver die Uni wurde, desto mehr Zeit hat der Chemiestudent fürs Lernen gebraucht. Hörsaal statt Hantelbank, Labor statt Laufband.

Am Ende blieb Sebastian nur übrig, seinen Körper so zu akzeptieren, wie er ist. Das fällt manchmal noch schwer. "Andererseits wären viele froh, so jung auszusehen. Alt werde ich von ganz alleine."

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