Jungen immer früher geschlechtsreif

Redaktion Von Redaktion
Jungen immer früher geschlechtsreif
Goldfaery/istockphoto.com

Rein körperlich werden Jungen immer früher erwachsen, während sich die soziale Reife nach hinten verschiebt. Dass dieser Trend, der bisher nur bei Mädchen bekannt war, hält auch bei Jungs seit über 200 Jahren beinahe konstant an.

Rein körperlich werden Jungen immer früher erwachsen, während sich die soziale Reife nach hinten verschiebt. Dass dieser Trend, der bisher nur bei Mädchen bekannt war, auch bei Jungs seit über 200 Jahren beinahe konstant anhält, zeigt Joshua R. Goldstein vom Max-Planck-Institut. "Ein heute 18-Jähriger ist körperlich so weit entwickelt wie ein 22-Jähriger im Jahr 1800", so der Wissenschaftler in einem Interview mit dem Online-Dienst "pressetext".

Frühe Liebe zum Risiko

Um 2,5 Monate pro Jahrzehnt hat sich die körperliche Reife junger Männer seit Mitte des 18. Jahrhunderts verschoben, so Goldsteins Ergebnis. Während der immer frühere Pubertätseintritt bei Mädchen biologisch belegt werden kann, ist man bei Jungen auf indirekte Methoden angewiesen. So konnten etwa Historiker bei Chorknaben belegen, dass sich der Stimmbruch von damals 18 Jahren auf heute fast 13 Jahre vorverlegt hat.

Einen neuen Ansatz liefert nun die Demografie mit Sterblichkeitsdaten. "Am Höhepunkt der Pubertät nimmt aufgrund der Hormonentwicklung das Risikoverhalten von Jungen und somit auch die Zahl der Unfälle durch Imponiergehabe, Unachtsamkeit und Gewaltbereitschaft sprunghaft zu. Diese Entwicklung lässt sich auch in der Mortalität feststellen, die mit 18 Jahren sechsmal höher ist als mit 13", erklärt Goldstein. Dass sich dieser Höhepunkt ständig nach vorne geschoben hat, zeigen Daten aus Schweden, Dänemark, Norwegen, England und Italien.

Übergang dauert länger

Technischer Fortschritt oder soziale Verhaltensänderungen dürften nicht zu dieser Entwicklung beigetragen haben, zeigten doch das Aufkommen von Schusswaffen oder Autos keine Auswirkungen auf das Alter des Sterblichkeits-Maximums. "Wahrscheinlicher sind konstante Faktoren wie die bessere Ernährung oder die höhere Widerstandskraft gegen Krankheiten. Als bremsender Schutzfaktor dürfte sich aber die längere Aufsicht der Eltern auswirken, beginnen doch Jugendliche heute später zu arbeiten als früher", so der Demograph.

Während also die Zeugungsfähigkeit und Stimmbruch der Jungen immer früher einsetzen, beginnt die soziale Reife - gemessen an Heirat, Kinderkriegen, Karriereeinstieg und finanzieller Unabhängigkeit - immer später. Wichtige Entscheidungen im Leben werden mit immer größerem Abstand zur Sorglosigkeit der Jugend gefällt, betont Goldstein. "Die Gesellschaft sollte sich somit mehr um die verlängerte Übergangsphase zum Erwachsenwerden kümmern. Für die Medizin und Biologie zeigt das Ergebnis, dass sich Jungen und Mädchen in ihrer Entwicklung mehr ähneln als bisher vermutet."

dbna.newsletter
Bleibe immer up-to-date.
Abonniere unseren wöchentlichen Newsletter!
Weitere Quellen: pte011/18.08.2011/11:10