Warum haben Männer eigentlich Brustwarzen?

Redaktion Von Redaktion
Warum haben Männer eigentlich Brustwarzen?
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Auf den ersten Blick mag dir diese Frage bestimmt komisch erscheinen, dennoch ist sie berechtigt. Während die weiblichen Brustwarzen eine eindeutige Funktion haben, erschließt sich jene der männlichen nicht sofort.

Der Schlüssel zur Beantwortung der Frage, warum auch Männer Brustwarzen haben, liegt in der Frühphase der menschlichen Entwicklung im Mutterleib. Bis zur 7. Schwangerschaftswoche werden zunächst unabhängig vom tatsächlichen Geschlecht die gleichen körperlichen Anlagen herausgebildet. Das Geschlecht wird aber trotzdem bereits bei der Befruchtung der Eizelle durch das Chromosomenpaar des männlichen Spermiums festgelegt.

In der Frühphase der Schwangerschaft besteht also kein Unterschied mit Blick auf das Geschlecht, selbst die Anlage der so genannten Keimdrüsen (Eierstöcke bzw. Hoden) zeigt zunächst keinen Unterschied. In den ersten Wochen ist der Embryo im Mutterleib quasi geschlechtlich indifferent, alle lebenswichtigen Organe bilden sich in dieser Phase aus, auch die Brustwarzen sind bald sichtbar.

Hormone entscheiden darüber, welches Geschlecht sich letztlich entwickelt

Ab dem 3. Monat kommen dann Geschlechtshormone ins Spiel, die das Geschlecht des Kindes eindeutig festlegen und entwicklungstechnisch steuern. Das Y-Chromosom ist für die Ausschüttung des männlichen Geschlechtshormons Testosteron und des Anti-Müller-Hormons verantwortlich, wodurch sich die männlichen Geschlechtsmerkmale entwickeln und die Anfänge der weiblichen Merkmale wieder verkümmern.

Werden die genannten Hormone nicht ausgeschüttet, so entwickelt sich der Fötus zu einem Mädchen. Aus dieser Entwicklung kannst du also schließen, dass auch Männer ein Leben lang Brustwarzen tragen, weil diese bereits entwickelt waren, bevor die Hormonausschüttung das endgültige Umschalten auf das männliche Geschlecht verursacht hat.


Alles eine Laune der Natur? Die erstaunliche Flexibilität der Evolution

Nein, keineswegs, denn Humanbiologen zeigen uns, dass diese Entwicklung völlig normal ist und sie sich aus der menschlichen Evolution direkt ableiten lässt. Stammesgeschichtlich und embryonal betrachtet entspricht die weibliche Klitoris dem Penis, die Schamlippen entsprechen dem Hodensack. In der Evolution wurde vor gut 250 Millionen Jahren festgelegt, dass jedes Säugetier ein endgültiges Geschlecht hat.

Dies stimmt auch weitestgehend mit unseren Lebenserfahrungen überein, dennoch zeigen Phänomene wie Transsexualität, dass die sichtbaren Geschlechtsmerkmale nicht unbedingt mit der Gefühlswelt übereinstimmen müssen (im falschen Körper geboren sein). Und auch im Tierreich finden sich in punkto Geschlechtsbestimmung kuriose Dinge: Bei einigen Schildkröten hängt die Geschlechtsbestimmung von der Temperatur beim Brüten ab, bei der Fischart 'Schwertträger' kann sich das Geschlecht sogar mit dem Alter ändern.

Regenwürmer besitzen als Zwitter sowohl weibliche als auch männliche Geschlechtsorgane. Daher vermuten Humanbiologen, dass unsere Vorfahren vor ca. 500 Millionen Jahren noch sehr 'zwittrig' gewesen sein müssen. Das Beispiel der Brustwarzen im Rahmen der Entwicklung eines menschlichen Lebens zeigt dir, dass diese 'zwittrige' Grundanlage bis zur 10. Schwangerschaftswoche immer noch im Menschen veranlagt ist.


Welche Rolle spielen männliche Brustwarzen denn überhaupt noch?

Genau wie bei Frauen sind die männlichen Brustwarzen ein sehr sensibler Hautbereich, vor allem auf Kälte reagieren sie sehr stark. Darüber hinaus sind Brustwarzen -unabhängig vom Geschlecht- eine der wichtigsten erogenen Zonen. Es mag paradox klingen, doch so unterschiedlich Männer und Frauen auch sein mögen, in punkto Brustwarzen weisen beide Geschlechter erstaunliche Parallelen auf.

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