Wieso du schwul bist

Redaktion Von Redaktion

Wieso bist du schwul? Damit ist jetzt nicht gemeint, ob es mit den Genen, der Erziehung oder sonst was zusammenhängt. Nein, wieso gibt es überhaupt Homosexualität? Was hat sich Mutter Natur dabei gedacht...?

Es ist schon nicht einfach, dafür eine Erklärung zu finden: Wieso bist du schwul? Und damit ist jetzt nicht gemeint, ob es mit den Genen, der Erziehung oder sonst was zusammenhängt. Nein, wieso gibt es überhaupt Homosexualität? Was hat sich Mutter Natur bloß dabei gedacht...? Natürlich bin ich nicht der erste, der diese Frage jemals gestellt hat. Das haben schon jede Menge WissenschaftlerInnen getan. Und ein paar glauben, mögliche Erklärungen gefunden zu haben. Eine - wie ich finde - besonders einleuchtende soll hier vorgestellt werden. Zuerst einmal wird davon ausgegangen, dass eine (Mit-)Ursachefür Homosexualität in den Genen liegt. Und davon kann man nachden aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen durchaus ausgehen, das haben Zwillingsstudien gezeigt.

Außerdem soll hier von der Idee des Darwinismus ausgegangen werden. So bezeichnet man die Theorien des englischen Wissenschaftlers Charles Darwin (1809 - 1882). Seine Idee besagt, dass jedes Lebewesen versucht, seine persönlichen Gene an möglichst viele gesunde, kräftige Nachkommen weiterzugeben. Dazu entwickelt es bestimmte Verhaltensweisen/Merkmale, um seine Nachkommen großzuziehen, sich gegen potentielle Feinde zu verteidigen, sich gegen Lebewesen der gleichen Art durchzusetzen, usw... Wenn ein Lebewesen besonders gute, wirksame Verhaltensweisen und Merkmale entwickelt, zeugt es viele Nachkommen. Da die aufgrund der ähnlichen Gene auch ähnliche Verhaltensweisen besitzen, können auch sie viele Nachkommen zeugen. Das bedeutet, dass sich solche "erfolgreichen" Verhaltensweisen und Merkmale, die zu vielen Nachkommen führen, langfristig durchsetzen - es gibt immer mehr Lebewesen, die sich so verhalten oder so aussehen.

Besonders im Licht dieser mittlerweile von fast allen Wissenschaftlern akzeptierten Theorie stellt sich die Frage, wie sich Homosexualität herausbilden konnte. Homosexuelle Lebewesen zeugen ja überhaupt keine Nachkommen. Somit dürften sich die Gene für Homosexualität ja nicht weit verbreitet haben - allerdings ist ja genau der Gegenteil der Fall, Homosexualität gibt es bei verschiedensten Tierarten, und beim Menschen in fast allen Kulturen. Diesen scheinbaren Widerspruch zu klären hat erstmals der Wissenschaftler Edward Wilson geschafft. Am 12. Oktober 1975 hat er in einem Artikel in der New York Times erstmals seine These dargelegt. Das "Helfer-am-Nest"-Syndrom wurde bereits bei vielen Tieren beobachtet: Einige Individuen einer Art helfen - vorzugsweise nahen Verwandten - bei der Aufzucht von Nachkommen. Dieses aus darwinistischer Sicht selbstlose Verhalten kann so erklärt werden: Diese "Helfer-am-Nest" verbreiten zwar nicht ihre eigenen Gene, helfen aber ihren Geschwistern, deren Gene zu verbreiten. Und nachdem die ja relativ viele Gene mit dem Helfer gemeinsam haben, ist es auf Umwegen auch für den Helfer selbst eine Verbreitung seiner Erbanlagen. Dieses Verhalten übertrug Edward Wilson auf homosexuelle Lebewesen. So erklärte er in seinem Artikel: "Homosexualität führt nicht zur direkten Vermehrung von Genen. Aber Homosexuelle können Gene über Verwandten-Selektion vervielfältigen, vorrausgesetzt, sie verhalten sich gegenüber Verwandten genügend selbstlos. Einiges spricht dafür, dass im frühen Jäger-Sammler-Abschnitt der menschlichen Evolution - und vielleicht sogar noch später - Homosexuelle regelmäßig als sterile Kaste dienten; sie förderten so das Überleben und den Reproduktionserfolg ihrer Verwandten durch eine effektivere Form der Unterstützung, als dies möglich gewesen wäre, hätten sie selbst eigene Kinder gehabt. Wenn solche Kombinationen miteinander verwandter Hetero- und Homosexueller im Durchschnitt mehr Nachkommen hinterließen als ähnliche Gruppen reiner Heterosexueller, würde die Homosexualität stets ein prominentes Merkmal in der ganzen Population bleiben."

Durch die Realität lässt sich diese Idee durchaus bestätigen, beispielsweise in der Vogelwelt: So leben afrikanische Marmorweber in großen Kolonien mit gemeinschaftlichen Brutsystemen und "Helfern", manche davon verzichten auf eigene Nachkommen und haben homosexuellen Sex. Wenn diese Theorie also stimmt - heißt das, wir Schwulen und Lesben sind auf dieser Welt, um beim Erziehen unserer Neffen und Nichten zu helfen?! Wenn wir in der Steinzeit leben würden, vielleicht. Allerdings sind wir ja postmoderne Kulturmenschen - und dürfen, ja sollen, uns über derartige "Vorhersehungen" hinwegsetzen, und unser eigenes Leben leben!

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Weitere Quellen: Geo.de