10 Minuten gegen Transphobie

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
10 Minuten gegen Transphobie
flickr.com/Peter O'Connor aka anemoneprojectors

Vorurteile sind nicht in Stein gemeißelt: Das zeigt eine US-amerikanische Studie. Schon eine zehnminütige Unterhaltung kann negative Ansichten dauerhaft ändern. Das Geheimnis liegt in der Gesprächsstrategie.

LGBTIQ*-Aktivisten aus Los Angeles und Miami haben im Sommer 2015 viel geredet. Sie unterhielten sich mit 13.000 Bewohnern jeweils zehn bis 15 Minuten lang. Das Besondere: Sie folgten einer Gesprächsstrategie, die vom Los Angeles LGBT Center entwickelt wurde.

Beim "deep canvassing", auf Deutsch etwa "tiefes Umwerben", sollen die Menschen über Situationen sprechen, in denen sie anders behandelt wurden als die Mehrheit. Im Anschluss befragten die zwei Forscher David Broockman und Joshua Kalla die Teilnehmer zu verschiedenen Themen, etwa der Haltung gegenüber Trans*-Menschen.

Einer von zehn ändert seine Meinung dauerhaft

Das Ergebnis: Schon diese kurzen Gespräche konnten Menschen dazu bewegen, negative Ansichten abzulegen, schreiben die beiden Forscher der Universität Stanford im Fachmagazin "Science", berichtet der "Tagesspiegel".

wikimedia/Ross Burgess
Unlearn Transphobia: Schon durch kurze, persönliche Gespräche ist das möglich.

Unlearn Transphobia: Schon durch kurze, persönliche Gespräche ist das möglich.

Um festzustellen, wie groß der Effekt der Unterhaltungen war, haben Broockman und Kalla nach drei Tagen, drei Wochen, sechs Wochen und drei Monaten nachgefragt. Einer von zehn Teilnehmern hat seine Meinung gegen Trans*-Menschen dauerhaft zum Positiven verändert. 

Die Mehrheit kann Minderheiten unterstützen

Die Forscher erklärten, in der Gruppe nahmen die Vorurteile gegenüber Transgender so stark ab wie in der gesamten US-Bevölkerung in einem ganzen Jahrzehnt die Vorurteile gegenüber Homosexuelle zurückgingen.

Ob das Gespräch dabei ein Transmensch führte oder nicht, spielte keine Rolle. Die Mehrheit kann also einer Minderheit beim Überwinden von Vorurteilen helfen. Wichtig ist eher, dass der Gesprächspartner Erfahrung mit der Thematik hat.

Lorri Jean, Geschäftsführerin vom Los Angeles LGBT-Center, ist vom Ergebnis begeistert: "Es ist toll, diesen neuen starken Ansatz nun mit LGBT-Aktivist_innen und ihren progressiven Verbündeten überall im Land verfolgen zu können." Wenn durch zehn Minuten Transphobie bekämpft werden kann, sollte das auch mit Homo- und Bi-Phobie möglich sein.

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