Einen ungewöhnlichen Schritt geht ein junger Kameruner nun, um seine Abschiebung und die seiner Schwester vielleicht doch noch abzuwenden: der 15-jährige Junior outete sich gegenüber dem Magazin "Siegessäule" und der taz als schwul. Homosexualität ist in Kamerun illegal und somit müsste der junge Mann in seinem Heimatland Strefe fürchten. Bislang habe er seine Homosexualität verheimlicht, aus Angst vor den Reaktionen seiner Familie, aber die drohende Abschiebung sei für ihn noch schlimmer. Darum überwand sich der 15-jährige und outete sich öffentlich.

Bereits seit einigen Wochen läuft eine Bleiberechtskampagne für Junior und seine 18-jährigen Schwester Yanga, die als voll integrierte Mitglieder ihrer Gemeinschaft hier in Deutschland leben. Die Kampagne war nach den Weihnachtsferien von Juniors Lehrern und Mitschülern der Moses-Mendelssohn-Oberschule in Mitte und den Betreuern des Jugendwohnprojekts WohnSinn gestartet worden, wo die Geschwister untergebracht sind.

Grund für die Abschiebung sind die Eltern des Geschwisterpaares: Die Mutter muss in Stuttgart eine Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten wegen Drogenhandels absitzen und von der in Europa lebenden Verwandtschaft erhalten die Kinder keinerlei finanzielle Unterstützung. Daher hat der Berliner Innensenator Ehrhart Körting (SPD) sich für eine Abschiebung der Kinder ausgesprochen, entgegen der Härtefallkommission, die für einen Verbleib von Junior und Yanga in Berlin plädiert hatte. Als Argument führt er an, der Staat dürfe die Kinder einer Straffälligen hier nicht weiter alimentieren.

"Die beiden sind hier total integriert. Junior ist Klassensprecher und Streitschlichter und zudem in einer Theatergruppe. Sie dürfen nicht einfach abgeschoben werden", so ein Mitschüler des 15-jährigen Junior. Auch das Magazin Siegessäule stellt sich in einem offenen Brief an den Innensenator (eine Abschrift wurde auch dem regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit zugestellt) hinter die Kinder: "Junior hat Ende letzten Jahres sein Coming-out als Schwuler gehabt. Das ist für jeden 15-Jährigen ein sehr schwieriger Schritt, der das ganze Leben auf den Kopf stellt. Junior ist glücklich, es geschafft zu haben. In Kamerun, wo Homosexualität illegal ist, hat er keine Chance auf ein glückliches Leben."

In dem Brief droht die Redaktion dem Innensenator, den Fall im Wahlkampf zur Sprache zu bringen, sollte es einer Abschiebung der beiden Geschwister kommen.

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Weitere Quellen: taz / Berliner ZeitungBildmaterial: © Hauptstadt Berlin, hier.geblieben.net (Ralf Rühmeier)