Abschiebung gestoppt

Christian Brandl Von Christian Brandl

Das Verwaltungsgericht Stuttgart hat am vergangenen Dienstag eine richtungsweisende Entscheidung gefällt: eine transsexuelle Iranerin, die sich als Mann fühlt und ihre sexuelle Orientierung auch ausleben möchte, darf nicht in ihr Heimatland abgeschoben werden, da ihr dort deshalb Verfolgung droht.

Die 27-jährige Klägerin hatte sich gegen die drohende Abschiebung gewehrt, da sie in ihrem Heimatland zum Tragen eines Tschador (Tuch, das um Kopf und Körper gewunden wird) gezwungen worden war und ihr dort auch bei Auslebung ihrer Homosexualität die Todesstrafe drohe. Auch sei sie nicht akzeptiert und daher quasi aus der Gesellschaft ausgeschlossen.

Das Gericht entschied daraufhin, dass eine Verfolgung - im Sinn der Abschieberegelungen - auch dann vorliegen könne, wenn die Bedrohung des Lebens oder der Freiheit mit der Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe verbunden ist, deren gemeinsames Merkmal die sexuelle Ausrichtung ist. Die junge Transsexuelle gehöre zu einer Gruppe, die im Iran als "andersartig" betrachtet werde. Homosexuelle Beziehungen unter Frauen würden dort als "absoluter Tabubruch" betrachtet und schlimmer bewertet als unter Männern. Die Klägerin müsse in ihrer Heimat mit einer äußerst brutalen Züchtigung durch bis zu 74 Peitschenhieben rechnen.

Die Richter legten dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge im Fall der 27-jährigen Klägerin ein Abschiebeverbot auf. Das Urteil ist rechtskräftig.

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Weitere Quellen: Quelle: e110.deBildmaterial: © stock.xchng