Abstellgleis? Nein Danke!

Redaktion Von Redaktion

Es gibt Schöneres, als auf eine Mandeloperation zu warten. Ein Standardeingriff, keine Frage. Aber was ist, wenn trotzdem etwas schief geht? Darf der Partner mich dann überhaupt sehen? Lukas musste sich diesen unangenehmen Fragen stellen.

Es gibt Schöneres, als die Semesterferien damit zu verbringen, in einem Krankenhaus der Sonne beim Scheinen zuzuschauen und dabei weiches Toastbrot ohne Rinde vor sich hinzukauen. Aber die verdammten Mandeln mussten eben raus. Und so genoss ich einen Tag vor der OP gemeinsam mit meinem Freund die letzten Sonnenstrahlen in gesundheitlicher Unversehrtheit. Wir hatten den ganzen Sommer über das Thema Operation vermieden, aber nun war es bald soweit und ich konnte nicht länger ausweichen.
 
Im Laufe des Gesprächs kam auch eine Frage auf, die uns eigentlich alle angeht: "Sag mal, wie ist das eigentlich, wenn etwas schief geht? Lassen die mich dann zu dir?" Um ehrlich zu sein, hatte ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht. Schließlich handelte es sich lediglich um eine Mandel-OP, da würde doch nichts passieren. Aber die Frage beschäftigte mich dennoch. Was ist, wenn wirklich etwas passiert? Natürlich wollte ich ihn dann bei mir haben, wen denn sonst?
 
Ich begab mich im Internet auf die Suche nach Informationen. Natürlich handelte es sich um einen Standardeingriff und weit reichende Regelungen mussten nicht getroffen werden. Aber jeder Homosexuelle muss sich wohl früher oder später mal mit diesem Thema beschäftigen. Grundsätzlich macht es keinen Unterschied, ob nun ein homo- oder ein heterosexuelles Pärchen in diese Situation gerät, ohne Trauschein gelten Mädels wie Jungs in einer Beziehung nicht als Angehörige. Und nur solche dürfen Auskünfte vom Arzt erhalten und - sollte beispielsweise eine intensivmedizinische Betreuung notwendig werden - den Patienten besuchen.

Durch eine "eingetragene Lebenspartnerschaft" (Homoehe) beziehungsweise für Heteros durch den Trauschein wird diese Regelung hinfällig. Der Partner wird zum Angehörigen, sogar zum Hauptansprechpartner im Notfall, der Arzt wird im Moment der Eheschließung von der Schweigepflicht befreit. Dies kann man jedoch auch durch diverse Vollmachten erreichen, etwa durch die Patientenverfügung. Ein möglicher Inhalt dieser kann sein, den Arzt gegenüber dem Partner von der Schweigepflicht zu entbinden, ein ständiges Zugangsrecht einzuräumen oder ähnliches. Mit dieser Verfügung ist es dir möglich festzulegen, was passieren soll, wenn ein ganz bestimmter Fall eintritt, wie längere Bewusstlosigkeit oder anderes.
Etwas weiter geht die Vorsorgevollmacht: Diese erfordert großes Vertrauen gegenüber dem "Begünstigten", denn ihm wird für bestimmte Notfälle - das alleinige Bestimmungsrecht über den Aussteller eingeräumt. Er wird für diesen Fall also einem Ehepartner gleichgestellt. Anders als in der angesprochenen Verfügung regelst nicht du, was passiert, sondern bestimmst jemanden, der im Notfall für und über dich entscheiden soll. Die Vollmacht kann beschränkt, aber auch universal erteilt werden. An dieser Stelle sollen in aller Kürze nur diese zwei Möglichkeiten vorgestellt werden.

Wie Ihr Euch denken könnt, ist dieses Thema weil juristisch anspruchsvoll nicht mal eben in ein paar Sätzen erklärbar. Eine übersichtliche Einführung und einen Vordruck bietet dieser Link.

Interessant sind auch die Ausführungen auf Wikipedia zu den Schlagworten "Patientenverfügung" und "Vorsorgevollmacht". Wichtig in jedem Fall ist die schriftliche Fixierung solcher Entscheidungen, manchmal sogar die notarielle Beglaubigung. Niemand denkt gerne über so etwas nach, in unserem Alter ist es wohl auch kein primäres Problem. Aber es schadet nicht, sich doch einmal Gedanken darüber zu machen, da es einen früher betreffen kann, als man denkt.

Als ich aus der Narkose erwachte, wollte mich mein Freund natürlich sofort besuchen, um zu sehen wie es mir geht. Leider hatten wir nur wenig Zeit: Gerade wieder unter den Wachen musste ich zurück in den OP, denn ein paar Gefäße waren nicht richtig vernäht worden und ich verlor eine Menge Blut. Nur eine Lappalie, die schnell zu beheben war aber natürlich blieb uns beiden das Herz für ein paar Sekunden stehen. Mein Arzt scherte sich allerdings nicht um Paragraphen: "Ist das Ihr Freund?". Ich bejahte und er durfte in meinem Zimmer warten. Die Schwestern umsorgten ihn fleißig und hielten ihn auf dem Laufenden. Glücklicherweise braucht man nicht immer für alles eine schriftliche Genehmigung.

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Weitere Quellen: Bilder: photocase.com