Ärztlicher Irrglaube

Christian Brandl Von Christian Brandl

Noch immer glauben einige britische Psychotherapeuten, Homosexualität "heilen" zu können

(dbna.de / sueddeutsche.de) In den Köpfen einiger britischer Psychotherapeuten scheint sich in den vergangenen zehn Jahren nicht viel getan zu haben: sie bieten immer noch Therapien zur "Heilung" von Homosexualität an. Einer auf BMC Psychiatry veröffentlichten Umfrage zufolge gab rund jeder sechste Therapeut an, Patienten dabei zu helfen, homosexuelle Gefühle zu unterdrücken. Immerhin noch vier Prozent der Befragten gaben sogar an, dass sie versuchen würden die sexuelle Orientierung eines Menschen zu verändern.

Nach Aussage von Michael King vom University College London täten viele Kollegen dies in "bester Absicht": "Selbstverständlich ist es in Ordnung, wenn ein Therapeut einem Menschenhilft, der ihn darum ersucht. Allerdings sollte diese Hilfe aufwirksamen Therapien beruhen, die ihm helfen seine Probleme zu erkennenund sich in einer Situation zurechtzufinden." Denn es sei heute bekannt, dass die Versuche die sexuelle Orientierung eines Menschen zu ändern, extreme psychische Leiden hervorrufen könnten. "Für uns war es äußerst besorgniserregend, dass es immer noch eine nichtunbedeutende Minderheit gibt, die das in bester Absicht zu ignorierenscheint", so King.

Die Forscher waren davon ausgegangen, dass solche "Heilungsangebote" inzwischen der Vergangenheit angehören würden, sie mussten jedoch feststellen, dass sich die 400 bis 500 registrierten Fälle gleichmäßig überdie vergangenen Jahrzehnte verteilten. In allen Fällen waren die Patienten auf den Therapeuten zugegangen und hatten um Hilfe gebeten, weil sie mit dem sozialen Druck nicht umgehen konnten.

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Weitere Quellen: Sueddeutsche.de, iStockphoto / © Linda Kloosterhof