AfD-Kandidat verzichtet auf Platz in der Fraktion

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer

Schwule Männer sind für ihn eine "degenerierte Spezies", die sich "widernatürlich" verhält. Flüchtlinge nennt er "widerliches Gewürm". Kay Nerstheimer verzichtet auf einen Platz in der AfD-Fraktion, steht aber hinter seinen Aussagen.

Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus hat Kay Nerstheimer von der AfD das Direktmandat für seinen Wahlkreis in Lichtenberg geholt. Doch der 52-Jährige verzichtet auf eine Mitgliedschaft in der Fraktion. Im Berliner Landtag wird er dennoch als fraktionsloser Abgeordneter sitzen.

Denn Nerstheimer gilt als der wohl umstrittenste Kandidat, den die AfD ins Rennen geschickt hat: Nach der Wahl tauchten immer mehr Beweise dafür auf, dass er sich homophob und rassistisch geäußert hat. Außerdem war er Mitglied der "German Defence League", die vom Verfassungsschutz überwacht wird.

Er postete: Homosexuelle haben einen "Gendefekt"

Nerstheimer hat Flüchtlinge aus Syrien auf Facebook als "einfach widerliches Gewürm" bezeichnet. Asylbewerber seien für ihn "Parasiten, die sich von den Lebenssäften des deutschen Volkes ernähren".

Auch gegen Homosexuelle hat er gehetzt: Im Dezember schreib er, sie seien für ihn eine "degenerierte Spezies", die sich "widernatürlich" verhält. Es sei "kein Verdienst diesen Gendefekt zu besitzen". 

Ein Ausschnitt des homophoben Facebook-Posts.

Ein Ausschnitt des homophoben Facebook-Posts.

Adoption durch Schwule könnte "schlecht für die Psyche" des Kindes sein

Außerdem findet er, es mache "schon seinen Sinn, das (sic!) sich Homosexuelle nicht vermehren können, so löscht die Natur Fehler im Programm." Die Aussagen bestreitet er nicht. "Ein User hat mich in dem Zusammenhang so lange provoziert, bis ich das dann geschrieben habe, ja", sagt er im Interview mit dem Tagesspiegel.

"Ich habe kein Problem mit Homosexuellen", betont er außerdem im Interview. Gleichzeitig will er sich von seinen Aussagen nicht distanzieren. Wenn Homosexuelle ein Kind adoptieren, dann "könnte das schlecht sein für dessen Psyche", sagt er.

AfD-Bundesvorstand will sich mit dem Fall befassen

Er sieht sich vielmehr als Opfer einer "Hexenjagd": "Ich habe ja niemanden verhetzt. Nicht zu Mord und Totschlag aufgerufen. Vielleicht habe ich ein bisschen drastischer meine Meinung kundgetan."

Kay Nerstheimer sagt, er wolle im Abgeordnetenhaus in vielen Punkten mit der AfD stimmen und weiterhin Mitglied in der Partei bleiben. Das könnte die AfD jedoch verhindern: Derzeit wird ein Ordnungsverfahren gegen ihn geprüft. Im Oktober will sich der Bundesvorstand laut "Frankfurter Allgemeiner Zeitung" mit dem Fall befassen.

AfD sitzt in 10 von 16 Landesparlamenten

Alice Weidel, die im AfD-Vorstand sitzt und selbst in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft mit einer Frau lebt, sagte der FAZ: "Sollten wir derartiges Gedankengut in der Partei dulden, bekommen wir ein veritables Glaubwürdigkeitsproblem."

Die AfD hat bei der Landtagswahl in Berlin 14,2 Prozent der Stimmen erreicht. Damit ist sie aktuell in 10 der 16 Landesparlamente vertreten. Zuletzt wurde sie in Mecklenburg-Vorpommern 20,8 Prozent zweitstärkste Partei.

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