AfD-Politiker will Schwule einsperren

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
AfD-Politiker will Schwule einsperren
Twitter/Screenshot

Kaum im Landtag angekommen, zeigt die AfD schon ihr wahres Gesicht: Der Abgeordnete Andreas Gehlmann hat während einer Debatte gesagt, man solle Homosexuelle - wie in Marokko - ins Gefängnis einsperren.

Am Freitag hat der sachsen-anhaltinische Landtag darüber diskutiert, ob die Maghreb-Staaten Marokko, Algerien und Tunesien zu sicheren Herkunftsländern erklärt werden sollen. Die Linken-Abgeordnete Henriette Quade sagte, dass diese Länder insbesondere für Homosexuelle nicht sicher seien.

"Wer Homosexualität auslebt, dem droht dafür eine Gefängnisstrafe", sagte sie. Darauf folgte ein Zwischenruf vom AfD-Politiker Andreas Gehlmann. "Das sollten wir in Deutschland auch machen!", sagte er laut vorläufigem Protokoll der Sitzung.

Vorläufiges Protokoll - doch am Gesagten gibt es keinen Zweifel

Quade hat ein Foto des Protokolls bei Twitter hochgeladen. "Offensichtlich ist Menschenverachtung für die AfD Programmatik", schreibt sie auf der Fraktionsseite. "Der Zwischenruf spricht für sich und ist nur ein weiterer Schritt ihrer Selbstentlarvung."

Zwar ist das Protokoll vorläufig. Die Redner können es jetzt auf Richtigkeit überprüfen. Sie dürfen jedoch nicht ändern, was so geschehen ist. Was Gehlmann gesagt hat, ist Fakt. Daran gibt es keinen Zweifel.

Ein AfD-Poltiker hat also nicht einmal drei Monate nach der Wahl in Sachsen-Anhalt, bei der die Rechtspopulisten zweitstärkste Kraft wurden, sein wahres Gesicht gezeigt. Wo gerade über die Rehabilitierung der nach Paragraf 175 Verurteilten debattiert wird, möchte ein Politiker diesen Paragraf am liebsten wieder zurückholen.

"Auch wenn gleich wieder der Distanzierungs- und Dementierungstango beginnen wird, gilt offensichtlich die strategische Devise: Kein Ressentiment bleibt unbedient. Mal sehen, wie sie sich da wieder rausreden wollen", sagte Grünen-Politiker Volker Beck gegenüber SZ.de. Eine Anspielung auf Gauland und sein Boateng-Zitat.

Die bisher deutlichste antischwule Aussage

Andreas Gehlmann hat sich bislang nicht zu den Worten geäußert. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion sagte im Kölner Express: "Da war eine sehr hitzige Debatte, in der vieles durcheinander ging. Uns liegt das Protokoll noch nicht vor. Wir müssen erstmal verifizieren, was Herr Gehlmann tatsächlich in welchem Kontext gesagt hat. Er wird sich dann auch dazu äußern."

Es ist die bisher deutlichste antischwule Aussage der rechtspopulistischen Partei. Bereits im baden-württembergischen Wahlprogramm zeigten sich LGBTIQ*-feindliche Tendenzen: Damals schrieb sie, dass allen Schülern beigebracht werden muss, dass Mann und Frau zusammengehören. Dass man sonst ins Gefängnis kommt, davon war bisher jedoch nicht die Rede.

Kommentare
Kommentare werden geladen
dbna.newsletter
Bleibe immer up-to-date.
Abonniere unseren wöchentlichen Newsletter!