Aktionsabend "Fußball und Homophobie"

Christian Brandl Von Christian Brandl

Der DFB setzt sich erstmals öffentlich mit dem Thema Homosexualität auseinander

(dbna.de / SPIEGEL) Lange war Homosexualität im deutschen Fußball ein absolutes Tabu-Thema. Während die "Football Association" in Großbritannien bereits seit 2005 gegen Homophobie in den Stadien vorgeeht, hatte sich der DFB bislang zu diesem Thema vornehm zurückgehalten. Am vergangenen Freitag wurde nun im Rahmen des 1. bundesweiten Aktionsabends "Fußball und Homophobie" von Helmut Spahn, dem Sicherheitsbeauftragten des DFB, Stellung bezogen: "Wenn sich ein prominentes Mitglied des Frauen- oder des Männer-Nationalteams als homosexuell outet, wäre der DFB der Letzte, der damit ein Problem hätte."

Dass es in der Bundesliga Schwule und Lesben geben könne, die ihr "Anderssein" aus Karrieregründen verbergen, schließt er auch nicht aus. Auch wies er auf Äußerungen der ehemaligen Frauen-Nationaltrainerin Tina Theune-Meyer hin, die den Anteil lesbischer Spielerinnen am Nationalteam auf 60 bis 70 Prozent schätzte. Dennoch stehe man beim DFB hinsichtlich der Themen Homosexualität und Homophobie im Fußball "erst am Anfang". Man sei allerdings bereits dabei, die Stadienordnungen so zu überarbeiten, dass Diskriminierung jeglicher Art verboten werde, also auch Schwulen- oder Lesben-feindliche Äußerungen.

Dass noch viel getan werden muss, stand für die Teilnehmer des Aktionsabends außer Frage: "Fußball gehört zusammen mit der katholischen Kirche immer noch zu den konservativsten Bereichen der deutschen Gesellschaft", so Tatjana Eggeling, die seit Jahren zum Thema Sport und Homosexualität forscht. Auch der Vertreter des BAFF (Bündnis aktiver Fußballfans), Martin Endemann sieht den IST-Zustand kritisch: "Fangesänge gegen Schwule sind die Regel. Wenn die gesamte Fankurve singt, 'Schwuler, schwuler FCK', dann gilt das als ganz normal." Auch bei den Vereinen scheint das Bewusstsein für die Problematik noch nicht zu existieren. Zwar waren alle Vereine aus der ersten und zweiten Bundesliga zu dem Aktionsabend geladen, erschienen ist jedoch kaum jemand. Eine Aussage von Ingo Schiller, Geschäftsführer des Hertha BSC gibt jedoch Anlass zur Hoffnung, als er behauptet, dass "in unserem Verein in allen BereichenDiskriminierungsfreiheit gelebt wird". Möglicherweise werden andere Vereine diesem Beispiel folgen.

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Weitere Quellen: SPIEGEL ONLINE, Photocase.com