Aktiv gegen Schwulenfeindlichkeit

Redaktion Von Redaktion
Aktiv gegen Schwulenfeindlichkeit
Stop!Homophobie

Robino (18) hatte nach seinem Coming-out im eigenen Umfeld sehr mit Schwulenfeindlichkeit zu kämpfen. Nun hat er beschlossen, den Kampf gegen Homophobie selbst aktiv aufzunehmen. dbna sprachen vorab mit ihm über die Ziele und den Anstoß zu seiner bundesweiten Kampagne STOP!Homophobie.

Robino, du bereitest zurzeit die Kampagne "STOP!Homophobie" vor. Wie genau kamst du auf die Idee, so etwas selbst in die Hand zu nehmen?
Robino: Ich habe mich im Oktober 2010 bei meiner Familie geoutet. Bis auf meine Oma und meinen Opa hat es niemand akzeptiert und sie wollten es mir regelrecht ausreden. Ein Jahr lang habe ich mit der Hilfe vom Freiburger Jugendamt eine Wohnung gesucht, die ich dann auch endlich nach einem Jahr Psychoterror mit meinem jetzigen Verlobten beziehen konnte. In diesem Jahr ist so viel vorgefallen angefangen von Beleidigungen bis hin zu Morddrohungen , dass ich mir gedacht habe, warum ist es für die denn so schwer zu akzeptieren, dass ihr eigener Sohn schwul ist? Es ist doch das normalste der Welt, wenn man jetzt nicht unbedingt auf das andere Geschlecht steht!

Ich habe mir sozusagen gleich nach meinem Auszug zur Lebensaufgabe gemacht, den Leuten klar zu machen, dass es verdammt nochmal NORMAL ist! Als ich dann die Beleidigungen gegen den ehemaligen DSDS-Kandidaten Kristof Hering via Facebook mitbekommen habe, habe ich wieder einmal gemerkt, wie wenig das Thema vor allem unter den Jugendlichen akzeptiert ist. Nach weiteren Überlegungen kam mir dann auch der Gedanke, dass zwar viel über die Homophobie gesprochen, aber nicht unbedingt etwas dagegen unternommen wird. Das war dann der Startschuss zur Kampagne "STOP!Homophobie".
 
Engagierst du dich sonst auch für die Rechte von Homosexuellen? Zum Beispiel bei einem CSD in deiner Nähe ?
Robino: Seitdem ich in meiner eigenen Wohnung lebe, ist es so, dass ich einen richtigen Drang verspüre, für die Akzeptanz und Rechte von Homosexuellen zu kämpfen. Gerade über Facebook habe ich ständig versucht den Leuten aus meiner Freundesliste klar zu machen, dass es normal ist, schwul, lesbisch oder auch bi zu sein, wenn sie irgendwas dagegen gepostet haben. Was auch in den meisten Fällen immer geklappt hat, worauf ich sehr stolz bin. Und jetzt kommt eben mit "STOP!Homophobie" der nächste Schritt.

Bei einem CSD konnte ich mich leider noch nicht beteiligen. Wenn ich damals zu einem gegangen wäre Nein, das wäre eigentlich gar nicht möglich gewesen, die hätten mich vermutlich eingesperrt

Hast du in deinem Leben schon einmal selbst Homophobie erlebt?
Robino: Oh ja! Leider war es nicht nur meine Familie sondern auch ganz viele meiner ehemaligen Klassenkameraden. Ich habe mich relativ zeitnah auch bei denen geoutet. Während es meine engsten Freunde komplett akzeptiert haben, haben sich die anderen regelrecht über einen neuen Grund mich fertig zu machen gefreut, denn jetzt war es ja offiziell.

Die Jahre davor haben sie mich aber auch als "Schwuchtel" und "schwule Drecksau" beleidigt. Aber natürlich bekommt man Homophobie auch mit, wenn man nicht einmal selber davon betroffen ist. Wie oft ich es doch schon mitbekommen habe, wenn sich mal ein Paar getraut hat, Hand in Hand einkaufen zu gehen, und andere dann nur blöd geschaut haben und zum Teil sogar handgreiflich geworden sind.

Stop!Homophobie
Robino (18)

Robino (18)

Was genau soll das Ziel der Kampagne sein? Natürlich die Bekämpfung von Homophobie, aber wollt ihr eher eine politische Lösung für Gleichstellung von Schwulen und Lesben oder eine gesellschaftliche Diskussion?
Robino: Mir persönlich ist es besonders wichtig, dass die Regierung endlich die sogenannte "Homo-Ehe"  mit einer ganz "normalen" Ehe gleichstellt. Das wäre ein großer Schritt, die Homophobie zu bekämpfen. Wie sollen denn die Menschen Homosexualität als ganz normal wahrnehmen, wenn sie es laut Gesetz doch noch nicht ist? Aber natürlich möchte ich in erster Linie eine gesellschaftliche Diskussion ins Rollen bringen und die Menschen zum Denken anregen.

Wer unterstützt dich dabei finanziell, so etwas ist ohne finanzielle Mittel schwer zu realisieren?
Robino: Das ist momentan leider das größte Problem. "STOP!Homophobie" ist natürlich auf Unternehmen angewiesen, die meine Aktion finanziell unterstützten möchten. Einige zeigen zwar bereits erstes Interesse, aber benötigen einfach noch etwas Zeit um sich zu entscheiden.

Wird die Kampagne sich nur auf das Internet beschränken oder plant ihr auch andere Medien zu nutzen? Wie lange soll das Ganze dann eigentlich laufen?
Robino: Das Internet ist zwar eine nette Plattform, aber dient ausschließlich dazu, im Vorfeld bereits auf meine Aktion aufmerksam zu machen und mit nennen wir sie jetzt einfach einmal Fans in Kontakt zu treten. Von Anfang an war eine bundesweite Plakatkampagne geplant, welche die Menschen an diesen "schlimmen Anblick" eines homosexuellen Paares gewöhnen soll. Das ist zunächst auch das, was als aller erstes realisiert werden soll.

Was für Motive auf den Plakaten zusehen seien werden, bleibt allerdings noch ein kleines Geheimnis. Außerdem plane ich einige Radio- und TV-Spots, aber natürlich auch Interviews, um ebenso viele Menschen wie möglich mit meinem Anliegen zu erreichen. Übrigens gibt es auch eine Facebook-Seite (www.facebook.com/stopphobie), auf der dann eben z.B. als erstes bekannt gegeben wird, welche Motive auf den Plakaten zu sehen sein werden, und auf der man sich auch für ein Casting bewerben kann. Und keine Sorge, niemand outet sich mit einem Klick auf den "Gefällt mir" Button, sondern zeigt nur dass er oder sie nichts gegen Homosexualität hat .

Betreibst du das ganze alleine oder arbeitest du mit einem Team zusammen oder sogar einer schwulen Jugendgruppe?
Robino: Das ist gerade das spannende an der ganzen Sache. Ich bin komplett alleine für "STOP!Homophobie" verantwortlich. Zwar steht mir mein Freund immer mit Rat und Tat zur Seite, jedoch plane und organisiere alles alleine und zwar sehr gerne.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für dein Projekt!

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