Angela Merkel: Gesellschaft ist nicht bereit

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Angela Merkel: Gesellschaft ist nicht bereit
Screenshot

Bei einem Schulbesuch behauptet die Bundeskanzlerin, die Gesellschaft sei noch nicht bereit für die Ehe für alle. Sie persönlich wolle sich "nicht verbiegen". Die Würde von Homosexuellen sieht sie aber nicht verletzt.

Im Rahmen der Veranstaltung "Gut leben in Deutschland" besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch eine Rostocker Schule. Sie stellte sich den Fragen der Schüler, unter anderem zur Flüchtlingsproblematik und - wie sollte es anders sein - zur Ehe für alle.

Der 17-jährige Peter, selbst schwul, brachte das Thema in die Diskussion ein. Merkel fand keine neuen Worte, lobte stattdessen den gesellschaftlichen Fortschritt: "Die Gesellschaft ist Gott sei Dank, glücklicherweise offener geworden und man kann heute darüber sehr offen reden und kann sagen: Ich bin homosexuell, ich bin schwul, ich bin lesbisch."

Gesellschaft sei noch nicht weit genug

Damit war der Schüler nicht zufrieden. Er kann es nicht verstehen, dass Homosexuelle nicht dieselben Rechte haben wie Heteros. "Jetzt gibt es dazu gespaltene Meinungen. Und ich sage: Man muss einfach auch sehr bedachtsam an die Sache herangehen", sagte Merkel. Die Frage nach der Eheöffnung sei eine "Überzeugungsfrage". Nur weil im Moment viele dafür sind, will sie sich nicht "verbiegen".

Sie stimmte aber auch zu, dass man das Thema auf einem Parteitag klären muss. Die anwesenden Schüler waren sich jedoch schon einig: Alle sind für die Ehe für alle. Das verwunderte die Kanzlerin nicht, "aber ihr seid keine 80 Millionen." Wären alle Parteien dafür, gebe es auch "einen Veränderungsprozess." "Ich glaube, im Augenblick ist es in der Gesellschaft noch nicht so ganz eindeutig, wie es jetzt hier in dieser Gruppe ist", behauptete sie. Viele Umfragen in letzter Zeit beweisen jedoch das Gegenteil: Zwei Drittel der Deutschen befürworten die Eheöffnung für Homosexuelle. 


Screenshot
Peter (r.) gab sich mit Merkels Antworten nicht zufrieden.

Peter (r.) gab sich mit Merkels Antworten nicht zufrieden.

"Ich möchte sie trotzdem einmal streicheln"

Aufsehen erregte die Veranstaltung auch wegen eines libanesischen Mädchens, das mit seiner Familie womöglich bald abgeschoben werde, obwohl sie perfekt Deutsch spricht und gut integriert ist. Merkel antwortete, dass man nicht alle Menschen aufnehmen könne. "Politik ist manchmal hart." Doch der Libanon sei eben kein Bürgerkriegsland. "Es werden manche auch wieder zurückgehen müssen", sagte sie.

Das brachte Reem zum Weinen. "Och komm", sagt Merkel. Ein Lächeln. "Du hast das doch prima gemacht", sagt sie zu ihr. "Ich glaube nicht, Frau Bundeskanzlerin, dass es da ums prima machen geht, sondern dass es natürlich eine belastende Situation ist", sagt der Moderator. "Das weiß ich, dass es eine belastende Situation ist", sagt Merkel. "Und deshalb möchte ich sie trotzdem einmal streicheln." 

Unter dem Hashtag #merkelstreichelt macht sich die Netzgemeinde lustig über diese Reaktion. Man wirft ihr Gefühlskälte vor, andere schlagen vor, ab sofort alle Probleme einfach wegzustreicheln. Einige können es nachvollziehen und loben, dass sie ehrlich geblieben ist. Leere Versprechen würden dem Mädchen auch nichts bringen, so der Tenor der Verteidiger. 

Kommentare
Kommentare werden geladen
dbna.newsletter
Bleibe immer up-to-date.
Abonniere unseren wöchentlichen Newsletter!
Weitere Quellen: Screenshot