Er war schon zu einer kleinen Tradition geworden: der ökomenische Gottesdienst anläßlich des Augsburger Christopher-Street-Days. Doch dass diese Veranstaltung bislang in einer katholischen Kirche gefeiert wurde, mißfiel den Obrigen - insbesondere seitdem Informationen darüber bis nach Rom vorgedrungen waren. Darum wurde entschieden, den CSD als "politische Manifestation für die gesellschaftliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften" nicht weiter zu fördern und den Gottesdienst in den "heiligen Hallen" zu untersagen.

Generalvikar Josef Heigl - von dem diese Aussage stammt - ist der Ansicht, das klare Zeugnis der Kirche für die sakramentale Ehe von Mann und Frau dürfe nicht durch eine missverständliche Instrumentalisierung von Gottesdiensten für andere politische Leitbilder verwässert werden.

Die bundesweite ökumenische Arbeitsgruppe "Homosexualität und Kirche" (HuK) attestiert der katholischen Glaubensgemeinschaft, dass sie damit erneut ein "Armutszeugnis" abgegeben haben. Jesus habe schließlich unvoreingenommen alle Menschen eingeladen.

Und während dei schwullesbische Gemeinschaft auf eine evangelische Kirche ausweicht, wird auch aus den eigenen Reihen der konservativen Katholiken Kritik laut: "Ich dachte, mich trifft der Schlag, als ich das erfahren habe", sagt etwa der Münchner Pfarrer Rainer Schießler der taz. "Die Kirchen sind doch dafür gebaut, das die Menschen darin beten - und zwar alle!" Schießlers Gotteshaus Sankt Maximilian liegt im Glockenbachviertel, mitten in der schwullesbischen Szene der bayerischen Landeshauptstadt. In seiner Gemeinde gebe es viele aktive Schwule oder Lesben, "von denen alle wissen, dass sie schwul sind".  

Kritisch sieht der Geistliche auch die Zukunftsperspektiven der katholischen Kirche, wenn sie bei dieser Haltung bliebe und das Thema Sexualität und insbesondere Homosexualität weiter totschweige: "Aber was ist, wenn sich - wie in Spanien geschehen - bei uns ein Bischof outet? Dann kracht dieses Kartenhaus zusammen."

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