Auf der Suche nach Antworten

Christian Brandl Von Christian Brandl

Als Reaktion auf den tragischen Suizid von Nationaltorwart Robert Enkehat der DFB nun entschieden sich Tabu-Themen zu stellen und SpielernHilfestellungen zu geben.

Als Reaktion auf den tragischen Suizid von Nationaltorwart Robert Enke hat der DFB nun entschieden sich Tabu-Themen zu stellen und Spielern Hilfestellungen zu geben. "Der deutsche Fußball muss Antworten finden, warum junge Leistungssportler, die als Idole gelten, in solche Situationen kommen können [...] wir wollen das Geschehene nicht oberflächlich aufarbeiten", so Theo Zwanziger, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes. Dabei steht die Krankheit "Deppression" derzeit im Focus, doch auch andere Probleme müssen thematisiert werden.

Höchst problematisch scheint dies beim größten Tabu in der Männerdomäne "Fußball" zu sein: Homosexualität. Bislang hat noch kein deutscher Profi den Schritt gewagt, sich öffentlich zu outen. Der Präsident des FC St.Pauli - Corny Littmann - berichtete in der Vergangenheit immer wieder, dass bekannte deutsche Fußballer homosexuell seien aber aus Angst vor Repressalien eine Fassade der Heterosexualität aufbauten. Es sei unglaublich, wie viel Energie sie darauf verwendeten. In einer Talk-Runde 2008 meinte Littmann aber auch, dass jedem schwulen Fußballer von einem Coming-out nur abzuraten sei.

"Das ist ein Wahnsinn"

Andreas Rettig, DFB-Vorstandsmitglied und Mitglied im Vorstand des Deutschen Fußball-Liga (DFL), sagt im Gespräch mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger": "Es ist heute kein Problem mehr, sich als deutscher Außenminister oder Bürgermeister einer Millionenstadt zu seiner Homosexualität zu bekennen, aber als Fußballer schon. Das ist ein Wahnsinn. [...] Der Fußball begreift sich doch immer als Teil der Gesellschaft, der alle gesellschaftlichen Strömungen spürt, so wie jetzt wieder die Wirtschaftskrise. Es ist schwer einzusehen, dass es ausgerechnet beim Thema Homosexualität anders sein soll. Wir müssen dahin kommen, jeden für seine Persönlichkeit zu respektieren und persönliche Eigenheiten nicht als Makel zu begreifen. Aber ich weiß, dass beim Thema Homosexualität die Angst der Fußballer vor Repressalien extrem groß ist. Das macht mich traurig."

Das einzige, tragische Beispiel für das Outing eines Profispielers ist bislang das des englischen Profis Justin Fashanu, der sich 1990 öffentlich zu seiner Homosexualität bekannte. Auf dieses Bekenntnis folgten Skandale, eine Pressekampagne und seine Flucht in die USA. Am 02. Mai 1998 nahm sich der Ex-Profi im Alter von 37 Jahren das Leben.

Auch heute noch müsste ein schwuler Profi-Fußballer wohl mit vielen Vorurteilen kämpfen. Ein Spieler einer Amateurmannschaft beschreibt die Situation in einem Interview: "Im Fußball gibt es einfach dieses Männlichkeitsbild. Man muss kämpfen, man muss grätschen, man muss was ausstrahlen und die Mitspieler anbrüllen. Einem Schwulen traut man das leider nicht zu. Jeder Konkurrent hätte von Beginn an einen Vorteil mir gegenüber."

Wie der DFB dieses Problem angehen wird, ist offen. Ende September hatte sich der DFB bereits dem "Bündnis gegen Homophobie" in Berlin angeschlossen und damit zugesichert, sich jeglicher Form von Diskriminierung entgegenzustellen.

dbna.newsletter
Bleibe immer up-to-date.
Abonniere unseren wöchentlichen Newsletter!
Weitere Quellen: Kölner Stadt Anzeiger, iStockPhoto.com