Auf ein Neues!

Redaktion Von Redaktion

Mein letzter Brieffreund war plötzlich weg. Keine Lust mehr, keine Zeit, ich weiß es nicht. Vielleicht kommt irgendwann – im April oder im September – mal wieder ein Schreiben von ihm ins Haus geflattert. Aber so lange schreibe ich einfach dir, was mir so im Kopf herumgeistert.

Lieber Patrick,

uns trennen rund 500 Kilometer. Während du in Köln dein Unwesen treibst, fühle ich mich in Augsburg beheimatet. Ich hoffe, es geht dir gut. Mein letzter Brieffreund war plötzlich weg. Keine Lust mehr, keine Zeit, ich weiß es nicht. Vielleicht kommt irgendwann im April oder im September mal wieder ein Schreiben von ihm ins Haus geflattert. Aber so lange schreibe ich einfach dir, was mir so im Kopf herumgeistert.

Hast du auch den Sturm mitbekommen? Dumme Frage eigentlich, man konnte ihm ja gar nicht entkommen, dem heftigen Pusten, ausgelöst durch das Wettertief Kyrill. Wer ist eigentlich für die Taufe solcher Ereignisse verantwortlich? Diesen Menschen würde ich gerne mal kennen lernen.

"Herr Professor, Herr Professor, es gibt wieder ein neues Tief. Wir brauchen dringend einen Namen!" Der Professor, der natürlich eine runde Brille auf der Nase und zerzaustes Resthaar auf dem Kopf hat, kratzt sich kurz an der Stirn. Mit einem K muss der Name beginnen, soviel ist sicher. Und männlich, männlich soll er sein. Konstantin, Karl, Kunibert, all das hatten wir schon einmal. Nein, dieser Name muss etwas Besonderes sein. Ein Meilenstein.

Kyrill. Irgendwie klingt das doch wie Vogelfutter. Kyrillisch, ist das nicht eine Schrift? Irgendwo ganz tief in meinem Hinterkopf blinkt etwas auf, wenn ich das Wort so vor mich her sage. Ich sehe meine Oma vor mir, wie sie mir alte Briefe zeigt. Briefe vom Onkel, der in Stalingrad gefallen ist. Hat der vielleicht kyrillisch geschrieben? Vielleicht ist das auch alles Humbug und es handelt sich doch um Vogelfutter.

Wie dem auch sei, der Sturm hat hier in meiner näheren Umgebung keine größeren Schäden angerichtet. Es hat ein paar Tote gegeben, habe ich im Radio gehört. Aber die gibt es jeden Tag. Es war sogar ganz amüsant, sich in den Wind zu stellen und zu spüren, wie diese immense Kraft an Hosenbeinen und Anorakärmeln gezogen hat. Ein mir entgegenkommender Radfahrer quälte sich ab. Wäre er doch in die andere Richtung gefahren, dann hätte er es sich auf seinem Sattel bequem machen können und Kyrill hätte einen Großteil der Arbeit für ihn erledigt. Aber wahrscheinlich musste er noch zur Videothek, um einen Film zurückzugeben.

Wenn man erstmal so ins Schreiben gekommen ist, dann fallen einem so viele Wettergeschichten ein. Ich könnte jetzt noch von meinem schönsten Regenerlebnis erzählen. Oder wie damals die Sonne beinahe Ach, das würde jetzt zu weit führen. Wie hast du denn den Sturm so verbracht? Hast du stürmisch geliebt, das Herz eines Mannes im Sturm erobert, das Kölner Rathaus gestürmt? Oder hast du dich gar entschlossen, die akademische Karriere sein zu lassen und stattdessen Fußballer zu werden? Stürmer vielleicht?

Lass es mich wissen. Und lass mich nicht so lange warten.

Christoph

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Weitere Quellen: istock, photocase