Austrittswelle

Redaktion Von Redaktion
Austrittswelle
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Die Äußerung finnischer Kirchenfunktionäre in einer Talkshow schlug ein wie eine Bombe. Homosexualität sei eine Sünde, so die Kirchenvertreter. Nun rollt eine Austrittswelle über die evangelische Kirche Finnlands hinweg.

Seit knapp drei Wochen verlassen massenweise evangelische Christen ihre finnische Kirche. Annähernd 40.000 Finnen erklärten über ein Onlineformular der Netzseite eroakirkosta.fi ihren Austritt aus der evangelisch-lutherischen Kirche Finnlands so viele wie normalerweise nur in einem Jahr.

Homosexuelle als "schlechtere Eltern"

Zurückzuführen ist diese Kirchenflucht auf Äußerungen des Bischof von Tampere, Matti Reop, und der Vorsitzenden der Christdemokraten, Päivi Räsänen. Beide waren sich in der Talkshow "Ajankohtainen Kakkonen" des öffentlich-rechtlichen finnischen Fernsehens YLE einig, dass Homosexualität Sünde sei. Gleichzeitig lehnten sie gleichgeschlechtliche Ehe sowie ein Adoptionsrecht schwuler und lesbischer Paare ab. Begründung: diese seien "schlechtere Eltern".

Auch wenn bei einem Austritt keine Gründe dafür angegeben werden müssen, so stehen doch die Aussagen und die Massenflucht aus der Kirche unzweifelhaft in Zusammenhang.

Konservative finnische Gesellschaft

In der homophoben Haltung der Kirchenvertreter spiegelt sich aus Sicht von Tanja Lehtoranta, Generalsekretärin von Seta, der nationalen Dachorganisation für sexuelle Gleichberechtigung, auch die konservative finnische Gesellschaft wider neben der problematischen Grundhaltung der höheren Kirchenhierachie in Bezug auf Gleichberechtigung. Weitere Kritik so von Kultusminister Stefan Wallin, der auch für kirchliche Angelegenheiten zuständig ist, folgte auf den Fuß.

Erzbischof Kari Mäkinen versucht zurückzurudern: Die wahre Linie der Kirche sei in der Talkshow nicht zum Ausdruck gekommen.

Für die protestantische Kirche sind die Austritte finanziell besonders schmerzhaft. Zwar sind noch über 80 Prozent der 8 Millionen Finnen Mitglied der Kirche, doch die knapp 40.000 Austritte bedeuten Mindereinnahmen bei der Kirchensteuer in Höhe von ungefähr acht Millionen Euro im Jahr. Diese wollen erst einmal geschultert werden.

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Weitere Quellen: taz.de