Bald auch vor unserer Haustür

Redaktion Von Redaktion

Die Welt-Aids-Konferenz in Mexiko beschäftigte sich vor allem mit HIV in Entwickungsländern. Aber die Forderungen der Experten betreffen Deutschland genauso: Bessere Prävention und keine Diskriminierung von HIV-Positiven mehr.

Wenn viele Forscher zusammenkommen,schaltet der Laie ab. Jede Minute neue Fachwörter und das auch noch aufEnglisch. Auch die Medien, unser Auge auf die Welt, wenden sich lieberSpannenderem zu als Fachgesprächen unter Forschern. Letzte Woche wardas anders. 25.000 Experten trafen sich in Mexiko zur 17.Welt-Aids-Konferenz. Die Medien waren munter dabei und übertrugen dasFazit der Forscher in die Welt: Statt auf die Wunderspritze gegen Aidszu warten, sollen Vorbeugung und bessere medizinische Behandlung dieSeuche in Schach halten. Richtig so.

Immerhin zwei Drittel der weltweit 33Millionen Infizierten leben im südlichen Afrika. In vielen Ländernreicht das Geld nicht mal für Kondome, beklagen die Aids-Experten. Dochtrotzdem vielen hierzulande Aids wie ein afrikanisches Problemerscheint in Mitteleuropa siehts auch nicht blendend aus. Obwohl inDeutschland noch nie so viele Gummis verkauft wurden wie 2007, gab eshier im letzten Jahr fast doppelt so viele gemeldete Neuinfektionen wieam Anfang des Jahrtausends. Unter Männern, die Sex mit Männern haben,hat sich die Zahl in der Zeit sogar verdreifacht, auf über 1.500. JederVierte von diesen Neuinfizierten ist noch nicht mal 30 Jahre alt. Werjetzt noch behauptet, Aids sei weit weg in Afrika oder aufirgendeiner Konferenz in Mexiko der irrt.

Sicher gibt es an unterschiedlichenOrten der Welt verschiedene Dinge gegen Aids zu tun. In vielen Ländernhaben Frauen so einen schlechten Stand, dass es ihnen schwer fällt,ihre Männer zum Einsatz von Kondomen zu zwingen. Und es fehlt an Geld,denn nur für einen von drei HIV-Infizierten gibt es eine Therapie. InDeutschland hingegen hat man genügend Medikamente, Kondome werden fürdie Werbung über exotische Früchte gestülpt. Wem mag da die Seuche Aidsnicht wie ein Märchen aus der Ferne vorkommen?

Das ist ein Trugschluss, dennHIV-Positive sind gebrandmarkt. Sie werden diskriminiert, verstoßen undkriminalisiert. Die Welt-Aids-Konferenz kritisierte Gesetze, die dieÜbertragung von HIV zur Straftat machen und damit die Kranken alspotenzielle Verbrecher abstempeln. Das betrifft übrigens die USAgenauso wie Sierra Leone. Und hierzulande? Alles schick? Mitnichten,denn wer stellt schon jemanden ein, der chronisch krank ist? Welche Chancen habeninsbesondere die 25 Prozent der Infizierten, die unter 30 sind unddamit noch vor oder am Anfang ihrer Karriere stehen? HIV bedeutet inDeutschland häufig ein Leben in Armut und sozialer Ausgrenzung.Vielleicht wird uns die Bedeutung einfach nicht klar, weil von denweltweit über zwei Millionen Aids-Toten im letzten Jahr weniger alshundert aus Deutschland stammten. Da kann es nur von Vorteil sein, dassdie 25.000 Experten demnächst vor unserer Haustür stehen bei dernächsten Welt-Aids-Konferenz 2010 in Wien.

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Weitere Quellen: International AIDS Society / Mondaphoto