Bewerbung als Rektor zurückgezogen

Redaktion Von Redaktion
Bewerbung als Rektor zurückgezogen
ginasanders / 123RF Stock Foto

In Niedersachsen hatte sich ein Bremer Lehrer als Rektor für eine Grundschule beworben. Durch beste Qualifikationen, Erfahrung und große Beliebtheit war ihm die Stelle sicher. Als Dorfbewohner davon erfuhren, dass er schwul und evangelisch ist, hat er die Bewerbung zurückgezogen.

Die Grundschule in Rechterfeld, einem Ort im Oldenburger Münsterland, war auf der Suche nach einem neuen Rektor. Schließlich fanden Bürgermeister, Lehrer und Eltern einen Konsens mit dem einzigen Bewerber auf den Posten. Er lehrte zuvor in Bremen, wo er viel Erfahrung sammeln konnte und sich stets großer Beliebtheit erfreute. Dann wurde bei den Rechterfeldern, die zu fast 75 Prozent katholisch sind, bekannt, dass er homosexuell und evangelisch ist. Mehrere Dorfbewohner zeigten sich daraufhin bedenklich und der Bewerber verzichtete auf die Stelle.

Bürger beschwerten sich über die Nominierung des schwulen Lehrers

Auf der Gesamtkonferenz der katholischen Schule hatte man sich schon für den Bremer Lehrer entschieden. Auch die Eltern zeigten sich einverstanden.  Doch bei dem katholischen Gemeindepfarrer Hermann J. Lücker gingen einige Anrufe von Bürgern ein, die mit der Auswahl des neuen Rektors nicht vorliebnehmen wollten. Er selbst habe "keine Probleme mit einem schwulen Evangelen", so Pfarrer Lücker gegenüber der Nordwest-Zeitung. Ebenso erklärte er: "Die Anrufer haben Bedenken geäußert, die man respektieren muss."

Wie der Nordwest-Zeitung zu entnehmen ist, hat Lücker den Bewerber über die eingegangenen Anrufe unterrichtet, der daraufhin seine Bewerbung zurückgezogen hat.  Dazu äußerste sich die Sprecherin der niedersächsischen Landesschulbehörde Susanne Strätz: "Wir bedauern diesen Schritt sehr." Außerdem werde die sexuelle Orientierung beim Auswahlverfahren nicht berücksichtigt. Strätz zufolge wird die Stelle jetzt neu ausgeschrieben. Mit einem Ersatz könne man aber erst im Laufe des neuen Schuljahres rechnen.

Die Schützenbruderschaft zeigt sich solidarisch

Berichten des NDR zufolge soll es ein Gespräch im Rathaus von Visbek gegeben haben. Bürgermeister und Schulvorstand beabsichtigten dabei den Pädagogen nochmals zu überreden, trotz alledem die Stelle als Rektor anzunehmen. Dazu äußerste sich die Schulelternratssprecherin Elke Meyer-Pundsack: Es sei "eine Riesenschweinerei gegen einen sehr sympathischen Menschen". Ganze 99 Prozent der Eltern forderten den Bremer als neuen Rektor.

Markus Dorissen-Wesjohann, Vorsitzender der katholischen Schützenbruderschaft St.Antonius sagte gegenüber der Nordwest-Zeitung: "Nur, weil ein paar Leute ein Problem damit haben, dass der Bewerber schwul und evangelisch ist, müssen wir nicht auf einen fähigen Schulleiter verzichten."

Eine positive Entscheidung des Bremers ist jedoch nicht zu erwarten. Der Lebensgefährte des Bremers, der in Rechterfeld wohnt, gab bekannt, dass mittlerweile zu viel in die Brüche gegangen sei und die Affäre zu viel Energie geschluckt habe.

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Weitere Quellen: spiegel.de