Bielefeld? Gibt’s doch gar nicht!

Redaktion Von Redaktion

Die amerikanische Mondlandung? Das haben die doch in der Wüste von Nevada gedreht! Die Anschläge vom 11. September 2001? Dahinter steckt komplett die CIA, das weiß doch jeder! Und Bielefeld? Gibt es nicht!

Die amerikanische Mondlandung? Das haben die doch in der Wüste von Nevada gedreht! Die Anschläge vom 11. September 2001? Dahinter steckt komplett die CIA, das weiß doch jeder! Und Bielefeld? Gibt es nicht!

Die Welt steckt voller verrückter Verschwörungstheorien. Manche mögen glaubwürdig klingen, sind auch mit angeblichen Belegen versehen, andere sind an Abstrusität und Absurdität nicht zu übertreffen. So entstand 1994 im Usenet in der Newsgroup de.talk.bizarre als Satire die "Bielefeld-Verschwörung". Seit dieser Zeit wandelt diese Theorie über die Nicht-Existenz der Stadt Bielefeld durch das Internet, aber auch durch das echte Leben. So rutscht auch dem Autor das eine oder andere Mal am Telefon, wenn der Gesprächspartner sich als Bielefelder outet, raus: "Bielefeld? Gibts doch gar nicht!"

Bielefeld soll es also nicht geben. Aber wie kommen die Anhänger der Theorie darauf? Die Urheber entdeckten, dass trotz andauernder Nachrichten über eine Stadt mit dem Namen Bielefeld keiner von ihnen oder ihren Freunden und Bekannten jemanden aus dieser Ortschaft kannte. Man tauschte sich aus, diskutierte darüber und urplötzlich erschienen Personen, die erklärten, sie kämen aus Bielefeld oder wären dort gewesen. Man vermutete einen Verräter, aber von ihrer Theorie ließen sie trotz immer weiterer Zeugen nicht ab.

Auf zahlreichen Internet-Seiten wird die Verschwörung seitdem am Leben gehalten und im StudiVZ findet man dazu eine Gruppe mit fast 6000 Mitgliedern. Zum 10-jährigen Jubiläum berichteten selbst ARD und ZDF über die Verschwörungstheorie, das ZDF führte sogar mit dem Urheber der Theorie, Achim Held, ein Interview, indem er zu seiner Idee, den Hintergründen und seinen Erfahrungen Stellung nahm.

Seine Seite, die inzwischen gelöscht ist, aber in Kopie immer noch durch das Netz kursiert, benennt auch die möglichen Hintermänner immer bezeichnet als SIE, die Bielefeld für existent erklären wollten:
Entweder steckt die CIA dahinter, der Mossad, die Ritter des Ordenkreuzes AAORRAC, welche die Höhle eines schlafenden Drachens bewachen, oder Aliens unter Führung von Ashtar Sheran, die an der Stelle, an der sich Bielefeld befinden soll, ihre Raumschiffinvasion beginnen wollen. Da es nur Indizien gibt, konnte man die genaue Gruppe noch nicht ausmachen.

Bestätigt sah man sich durch zwei Ereignisse. Das eine geschah im Oktober 1993, das andere bei der Einführung von Google Earth. Als man von Essen nach Kiel auf der A2 fuhr, entdeckte man auf allen Schildern, dass der Name "Bielefeld" mit orangefarbenem Klebeband durchgestrichen war. Das war der Beweis: Es gab also noch andere Zweifler, die sich gegen die Verschwörung wehrten.
Und Google Earth? Ja, gab man da bis Oktober 2006 ins Suchfeld "Bielefeld" ein, erschien eine grüne Wiese umgeben von einigen Wäldern. Davon hat sich der Autor selbst überzeugen können. Inzwischen haben natürlich SIE IHREN Einfluss geltend gemacht und haben auch gefälschte und manipulierte Aufnahmen in Google Earth einspeisen können. SIE schrecken also vor keiner Maßnahme zurück.

Wie man erkennen kann: Alle Elemente, die andere Verschwörungstheorien ausmachen, und auch die verbreitetsten Geschichten über Verschwörungen werden verwendet und ins Lächerliche gezogen. Die Satire soll letztendlich zu einem kritischen Denken über solche Ideen anregen. Leider versteht nicht jeder diese Satire und einige fühlen sich wirklich auf den Schlips getreten. In einem Gästebuch einer Seite über die Bielefeld-Verschwörung wirft man mit Beleidigungen wie "Volltrottel" und "scheiß Verschwörung" um sich, sogar Prügel werden den Satirikern angedroht.

Leider übertreiben es einige auch im echten Leben und fallen der Stadtverwaltung Bielefelds auf die Nerven. Dort gehen täglich etliche "Euch-gibts-doch-gar-nicht-
Schreiben" ein, wie die Leiterin des Bielefelder Presseamtes, Gisela Bockmann, berichtet. Andere veröffentlichen im Netz "Anti-
Bielefeld-Verschwörungen"-Seiten, auf denen sie sich genervt auslassen: "Ein Witz, der seit zwölf Jahren mit solch derber Beharrlichkeit erzählt bzw. behauptet wird, ist allein schon aufgrund seines Alters nicht mehr lustig." Achim Held berichtet auch, dass es ihn sehr erschreckte, als einst abends jemand vor seiner Tür stand, der von an ihm durchgeführten Experimenten berichtet und ein dringendes Bedürfnis gehabt habe, über die Bielefeldverschwörung zu reden. Verrückte gibt es nun mal überall, eigenständiges Denken ist erlaubt - und Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

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Weitere Quellen: photocase.com