Bund oder Zivi?

Christian Brandl Von Christian Brandl

... vor dieser Entscheidung stand bislang fast jeder junge Mann mitdeutscher Staatsangehörigkeit, der gerade 18 geworden war. Mit denkommenden Neuerungen könnte sich dies für viele ändern.

Bund oder Zivi - vor dieser Entscheidung stand bislang fast jeder junge Mann mit deutscher Staatsangehörigkeit, der gerade 18 geworden war. Der Musterungsbescheid vom Kreiswehrersatzamt lag dann meist schon lang im Briefkasten und mit Spannung erwartete jeder die Entscheidung des Amtsarztes über die Eignungseinstufung zum Wehr- oder Zivildienst.


Wer gar nicht mehr muss ...

Am dem 1. Oktober 2004 ändert sich das für viele Jungs in ganz Deutschland: manche müssen erst gar nicht zur Musterung, weil ihre zwei älteren Geschwister bereits Wehr-,  Zivildienst oder ein freiwilliges soziales Jahr geleistet haben - und wo früher nur die Leistung von Brüdern gewertet wurde, zählt nun auch der Einsatz von Schwestern. Eine gute Nachricht gibt es auch für alle Studenten, denn wer sich zum Zeitpunkt der Einberufung bereits im dritten Semester befindet, wird für das gesamte laufende Studium zurückgestellt. Das ist vor allem deshalb "praktisch", weil die Altersobergrenze für eine Einberufung von 28 auf 25 Jahre gesenkt wurde. Wenn man nicht vorübergehend zurückgestellt war, gilt für die Einberufung sogar eine Obergrenze von nur 23 Jahren.

 Auch verheiratete und verpartnerte Jungs müssen sich ab 1. Oktober nicht mehr entscheiden, denn sie sind automatisch vom Wehr- oder Ersatzdienst freigestellt. Selbiges gilt für junge Väter - was wohl aber die wenigsten dbna-Leser betreffen dürfte.

Für alle die doch müssen ...

Doch auch für diejenigen, auf die obige Kriterien nicht zutreffen, gibt es gute Neuigkeiten, denn die Dauer des Zivildienstes wurde endlich der Wehrdienstdauer von 9 Monaten angeglichen. Bisher hatten Ersatzdienstleistende 10 Monate ableisten müssen.

Daneben gibt es natürlich noch die Hoffnung, ausgemustert zu werden, oder schlichtweg nie einen Einberufungsbefehl zu erhalten, denn bereits heute wird nur noch rund ein Drittel der Wehrdienstpflichtigen auch dazu herangezogen.

Die besten Chancen auf Ausmusterung ...

Die besten Chancen, nie zum Ersatz- oder Wehrdienst herangezogen zu werden und eine Einstufung als "nicht wehrdienstfähig" oder "vorübergehend zurückgestellt" zu erhalten, haben Jungs mit einer gewissen kreativen Ader. So wird in Leitfäden zum Thema "Ausmusterungstipps" behauptet, eine vorgetäuschte Depression sei einer der besten Gründe um ausgemustert zu werden. Auch die provokative Aussage, man sei sexsüchtig, könne durchaus zur Befreiung führen. Dies gelte auch (und insbesondere) für schwule Jungs, die bekräftigen, sich in einer Gemeinschaftsdusche beim Anblick der knackigen Kameraden einfach nicht zurückhalten zu können. Eine Garantie für eine Ausmusterung sind derartige Behauptungen jedoch nicht.

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Weitere Quellen: Spiegel Online