Carpe Diem!

Redaktion Von Redaktion

Friseurgespräche, Fingernägel lackieren, Fernsehen. Matthias rechnet abmit den unnützen Dingen des Alltags, dafür ist das Leben zu kurz. Nurwas mit der neuen Zeit anfangen?

Lieber Christoph!

Nein, ich glaube, Autos zählen muss ich nicht. Denn auch, wenn ichjetzt Student bin, heißt das noch lange nicht, dass ich jeden Mistmache, um an Geld zu kommen. Also, grundlegend. Auch, wenn ich vielMist mache, um Geld zu sparen, aber das ist ja was anderes.

Eine Freundin erzählte mir gerade, sie vermisse ihren Exfreund immernoch ganz furchtbar, seit er vor fast  einem Jahr starb. Er war so umdie 20.

Ist das Leben nicht einfach zu kurz, um sich auf eine Brücke zu setzenund Autos zu zählen? Eine derart banale Beschäftigung, dass man sichgleich eine Möglichkeit überlegen könnte, Zeit sinnlos totzuschlagen("Schatz, lass uns heute Abend fernsehen!"). Also, ja, ich halte jetzthiermit ein Plädoyer für das intensive Leben. Am Puls der Zeit und amPuls der Möglichkeiten, keine Zeitvergeudung, optimales Nutzen undmaximale Effizienz.

Deshalb jetzt mal ein paar Dinge, die man unbedingt aus dem Tagesablauf streichen sollte:

1. Weil ich's gerade eh schon erwähnt habe: Das Fernsehen. Die Wurzelallen Übels. Die Verrohung aller Sitten. Wieso sollte man auch nochselbst ein Leben führen, wenn man jemand anderem dabei zusehen kann?Was, das findest du zu zynisch? Als ich in Berlin nach einem Zimmersuchte, bekam ich ein Angebot von einer laut Eigenaussage "seriösen"TV-Produktionsfirma, die Studenten für eine Reality-Soap-WG gesuchthaben. "Ihr solltet extrovertiert sein! Wir wollen euren Alltagabbilden für Leute, deren Alltag langweilig ist!" Na also.

2. Mit dem Lineal unterstreichen: In der Schule von all den Sonjasbetrieben und sogar noch in der Uni in einschlägigen Fächern weitverbreitet: Mit Lineal und Buntstift werden Überschriften besondersordentlich und das Heft besonders schön und wenn der Lehrer eskorrigiert bekommt man einen Stempel.

3. Fingernägel lackieren. Kennst du auch diese zwangssexualisiertenPersonen weiblichen Geschlechts, deren äußere Erscheinung vonKunstfelljacken, Haarfärbemittelrückständen und Akne gekennzeichnetist? Die dann kleine Strasssteinchen auf den Fingernägeln haben?Letztens habe ich in einem Schaufenster sogar ein Bild von einemFingernagel mit einem Sonnenuntergangsszenario gesehen.

4. Kreatives Basteln, allem voran: Window Colour. Sieht eh immerscheiße aus, ist teuer und nicht kompostierbar. Muss ich noch mehrsagen?!

5.:Gespräche beim Frisör. "Du bist aber mit deinem Freund auch schon langezusammen, oder?" Es wird dann in dieser zwangspeinlichen Situationerwartet, dass manetwas erwiedert (natürlich, da sitzen zwei Menschen nebeneinander undsind offensichtlich mehr oder weniger miteinander beschäftigt, da mussman sich doch auch unterhalten). Blöd bloß, dass der- oder diejenige,der oder die solche Fragen stellt, meistens auch die Kontrolle über dieeigene optische Erscheinung und im Zweifelsfall sogar einen scharfen,spitzen Gegenstand in der Hand hat.

...ach, lieber Christoph, diese Liste ließe sich so endlosfortführen! Was man nicht alles tut, in so einem Leben. Und wenn mandas alles rausstreicht, was bleibt dann noch übrig? Freizeit. Diegenutzt werden will. Bloß, mit was?

Wir könnten zum Beispiel mal wieder telefonieren. Anstatt immer undimmer wieder diese Briefe zu schreiben, das wird allmählich ziemlichanstrengend. Und verbraucht auch viel Zeit.
Was denkst du davon?

deinen Anruf erwartend:


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