Chance für Russlands Schwule und Lesben

Falk Steinborn Von Falk Steinborn

Am Samstag findet in Moskau der diesjährige Eurovision Song Contest statt. Die Aufmerksamkeit, die Europa an diesem Abend der Stadt Moskau widmet, wird beträchtlich sein.

Am Samstag findet in Moskau der diesjährige Eurovision Song Contest statt. Die Aufmerksamkeit, die Europa an diesem Abend der Stadt Moskau widmet, wird beträchtlich sein. In insgesamt 50 Ländern wird das Finale des Contests live im Fernsehen übertragen. Etwa 100 Millionen Menschen werden gespannt vor den Bildschirmen sitzen. Der Musikwettbewerb ist ein mediales Mega-Event, dessen Einschaltquoten nur von der WM oder den Olympischen Spielen übertroffen werden.

Genau diese Aufmerksamkeit wollen sich Schwule und Lesben aus Russland zu Nütze machen. Für Samstag haben sie deshalb einen Christopher Street Day auf Moskaus Straßen angekündigt. Allein die Bekanntmachung ruft Erinnerungen wach. Als Schwule und Lesben 2006 in Moskau versuchten, für ihre Rechte und gegen Diskriminierung zu demonstrieren, wurden sie von rechten und fundamentalistischen Gruppen zusammengeschlagen. In Deutschland ging damals das Bild des schwulen Grünen-Politikers Volker Beck durch die Medien, der sich bei dem Übergriff in Moskau eine blutige
Nase holte.

Satanisches Treiben unterbinden

Solche Bilder möchten die Stadt Moskau und die russische Regierung in diesem Jahr vermeiden. Immerhin soll an diesem Abend kein Ereignis den Eurovision Song Contest und die Präsentation des Gastgeberlandes überschatten. Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow hat deshalb den Christopher Street Day am Samstag untersagt. Dieses Vorgehen ist nicht ungewöhnlich, sondern hat durchaus Praxis. Luschkow hat bisher jeden Christopher Street Day in Moskau verboten, um so dem "satanischen Treiben" Einhalt zu gebieten.  Sollten sich am Samstag dennoch Schwule und Lesben versammeln, so hat die Polizei bereits angekündigt, dass sie die Versuche der sexuellen Minderheiten hart aber im Rahmen der Gesetze unterbinden wolle.

Die Organisatoren des Moskauer CSD, allen voran Nikolai Alexejew, lassen sich vom Verbot und dieser Drohungen nicht abschrecken. Der Jurist Alexejew weiß, dass er das Recht auf seiner Seite hat. Denn die russische Verfassung garantiert die Versammlungsfreiheit. Die will er auch am Samstag trotz des Verbotes wahrnehmen. "Wann, wenn nicht jetzt, zum ESC, sollen wir auf unsere schlimme Lage aufmerksam machen, auf Ausgrenzung, Behördenwillkür und Gewalt" sagte Alexejew gegenüber der Zeitung "taz".

5000 Schwule und Lesben sollen demonstrieren

Tatsächlich könnte der Eurovision Song Contest den CSD-Organisatoren in Russland helfen. Denn immerhin ist der Contest bei Schwulen und Lesben besonders beliebt. Von ihnen werden am Wochenende deshalb auch überproportional  viele in Moskau sein, um sich das Finale live anzusehen. Vielleicht werden einige von ihnen auch am CSD teilnehmen. Alexejew plant das zumindest fest ein: "Wir setzen auf die Kraft der internationalen schwul-lesbischen Fangemeinde"(taz). Insgesamt hoffen die CSD-Organisatoren damit, dass sich so 5000 Menschen an der Demonstration beteiligen, um Toleranz und Gleichberechtigung für Russlands Schwule und Lesben einzufordern.

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Weitere Quellen: istockphoto.com