Chance verpasst

Redaktion Von Redaktion
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Das Jugendnetzwerk Lambda findet deutliche Worte für die Sendung des Jugend-Talkradios "LateLine" vom 19.07.2010. Fehlinformationen, Verbreitung von Klischees und fehlender Tiefgang wirft die Organisation der Moderatorin Caroline Korneli unter anderem vor.

Das Jugendnetzwerk Lambda findet deutliche Worte für die Sendung des Jugend-Talkradios "LateLine" vom 19.07.2010. "Über die hochgradige Fehlinformation Kornelis hinsichtlich rechtlicher Grundsatzfragen, ihren mangelnden Überblick über die Thematik und eine wenig differenzierte Eigenperspektive" ließe sich nicht hinwegsehen, urteilt die Organisation über die Moderatorin Caroline Korneli.

Dem eigenen Anspruch nicht gerecht geworden

Anlass der Sendung war die aktuelle CSD-Saison, was auch durch einige Fragen zu Beginn der Sendung deutlich wurde: Müssen Schwule und Lesben in Deutschland heute noch für ihre Rechte auf die Straße gehen? Oder sind CSDs inzwischen nicht eher wie ein buntes Straßenfest?
Jedoch: "Die Sendung, die laut eigener Aussage 'Denken verursacht', griff damit im Kontext der laufenden CSD-Saison ein durchaus spannendes, wichtiges und kontroverses Thema auf ihrem eigenen Anspruch wurde sie dabei leider nicht gerecht", so das Fazit Lambdas.

Caroline Korneli habe bisweilen selbst die größten homosexuellen Klischees vom Stapel gelassen, ohne dies selbst zu bemerken, und dabei unentwegt ihren eigenen, liberalen Umgang mit Homosexualität unterstrichen. Auch habe sie es unterlassen zu erwähnen, "dass die Selbstmordrate unter homosexuellen und transidenten Jugendlichen auch in Deutschland nach wie vor fast viermal so hoch liegt wie bei gleichaltrigen Heterosexuellen", bemängelt das Jugendnetzwerk Lambda.

"Kunstgriff nicht gelungen"

Auch sei die Moderatorin nicht fähig gewesen, durch die wenigen homosexuellen Anrufer der Debatte mehr Tiefgang zu geben, was doch eine Chance gewesen wäre. Abschließend stellt Lambda fest: "Durch eine kritischere Betrachtungsweise hätte diese Ausgabe der 'LateLine' auch im lockeren Umfeld einer Jugend-Talkshow entscheidend zur Akzeptanz Homo- und Bisexueller und Transidents beitragen können." Man bedauere, dass dieser Kunstgriff nicht gelungen sei und fordert "das Team der "LateLine" zu einer Sendung auf, die sich in angemessener, aber auch kritischer Weise noch einmal mit der Situation (jugendlicher) Homo- und Transsexueller in Deutschland auseinandersetzt und dabei dem eigenen Anspruch, Jugendliche zum Denken anzuregen, gerecht wird."

Das Jugendnetzwerk Lambda vertritt die Interessen junger Lesben, Schwuler, Bisexueller und Transgender (lsbt) in der Öffentlichkeit und Politik und hatte es sich zur Aufgabe gemacht, lsbt Jugendliche in ihrem Selbsterkennungsprozess sowie in psychosozialen Notsituationen eine Unterstützung zu sein.

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