Conchita Wurst: "Der CSD ist unfassbar wichtig"

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Conchita Wurst: "Der CSD ist unfassbar wichtig"
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Drei Tage lang ist Conchita in Köln: Sie erhält einen Preis, gibt ein Konzert und eröffnet die Demo am Sonntag. Den Christopher Street Day findet sie "unfassbar wichtig". Dass wir in Mitteleuropa mehr feiern als demonstrieren dürfen, ist für sie ein Privileg.

Mit einem gut gelaunten "Guten Tag!" betritt Conchita die Pressekonferenz im Kölner Maritim Hotel. Es ist heiß, das Thermometer draußen zeigt 33 Grad. Viel kühler ist es drinnen auch nicht. Journalisten drängeln sich um die besten Plätze. Der Andrang ist groß: Die Gewinnerin des Eurovision Song Contests 2014 ist ganze drei Tage lang zu Gast in Köln.

Der Grund: Sie erhält von der Aidshilfe Köln den Jean-Claude-Letist-Preis. Der Namensgeber des Preises war eines der Gründungsmitglieder der Kölner Aidshilfe. Sein Todestag jährt sich dieses Jahr zum 25. Mal. 

"Für meine Einstellung einen Preis zu bekommen, ist großartig"

Michael Schuhmacher, Geschäftsführer der Kölner Aidshilfe, begründet die Entscheidung: "'Ich möchte einfach nur so leben können, wie ich bin' war das Lebensmotto von Jean-Claude Letist. Conchita hat etwas gemacht, was ganz ähnlich ist: Sie tritt auf als Künstlerin in der Form, wie sie es für richtig hält. Nichts Gemachtes, sondern was für sie gerade passt. Ganz viele Menschen nehmen das als Unterstützung, als Mutmacher."

Den Preis nimmt sie persönlich entgegen. "Dass mir der Preis gegeben wird aufgrund der Tatsache, dass ich einfach nur ich selbst bin, ist etwas, was für mich schwer zu verstehen ist. Für mich bedarf es keines Aufwandes so zu sein, wie ich sein möchte. Das ist, was ich den Menschen erzählen möchte. Wenn ich Negativität entgegengebracht bekomme, arbeite ich die Checkliste ab, die mir meine Eltern beigebracht haben. Sei respektvoll und tue niemandem weh. Und dann denke ich mir: War ich respektvoll? Ja. Habe ich jemandem wehgetan? Nein. Also ist es nicht mein Problem! Für diese Einstellung einen Preis zu bekommen, ist unfassbar großartig."

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Conchita bei der Pressekonferenz zur Aidsgala.

Conchita bei der Pressekonferenz zur Aidsgala.

Conchita findet den CSD "unfassbar wichtig"

Die Künstlerin hat ein straffes Programm in Köln: "Wenn Conchita schon einmal in Köln ist, können wir sie nicht nach einem Abend gehen lassen", sagt Jörg Kalitowitsch, Organisator des Cologne Pride. Neben der Teilnahme an der Aidsgala wird sie am Samstag ein Konzert am Heumarkt geben und bei den "Kerzenlichtern gegen das Vergessen" teilnehmen. Mit der Aktion wird der an HIV/Aids Verstorbenen gedacht. Am Sonntag eröffnet sie außerdem die Demonstration.

Conchita ist es wichtig, beim Christopher Street Day dabei zu sein. Auf Kritik am CSD angesprochen, antwortet sie: "Das Konzept des Prides ist nach wie vor wahnsinnig wichtig. Ich glaube, wir in Mitteleuropa haben das Privileg, dass wir ein bisschen mehr feiern als demonstrieren dürfen. Und es gibt mit den Ereignissen in Istanbul ein sehr aktuelles Beispiel: Gegebenheiten, wo man merkt, dass dieses Event unfassbar wichtig ist. Es ist wichtig, die Szene sichtbar zu machen, denn ich denke, dass gerade Respekt und vielleicht sogar Friede, so pathetisch es klingt, verlinkt ist mit Wissen."

"Als ich wusste, wer ich bin und was ich will, hat mir das Kraft gegeben"

Sie ergänzt: "Viele Menschen wissen einfach nicht genug, und deshalb haben sie Angst und sind ignorant. Deshalb ist es unfassbar wichtig, immer wieder aufs Neue dieses Thema in den Mainstream zu bringen. Wir hier haben eine schöne Zeit, was toll ist, denn es hat auch gedauert, bis wir das konnten."

Anschließend wird sie nach einem Erste-Hilfe-Rezept gefragt - für Jugendliche, die anders sind als andere. "Teenager zu sein, ist für niemanden lustig. Bei mir war es so, dass ich verunsichert in meiner Pubertät war. Dass ich meine sexuelle Orientierung nicht verstanden habe, weil ich dachte, dass etwas mit mir nicht stimmt, weil die Gesellschaft mir das auch so vorpredigt", sagt sie, "und ich habe lange gebraucht zu merken, dass mit mir aber nichts falsch ist. Als ich diesen Punkt erreicht habe und wusste, wer ich bin und was ich will, hat das mir Kraft gegeben." 

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