Darf man das?

Patrick Fina Von Patrick Fina

Der Klappensex-Skandal um den US-Senator Larry Craig schlägt weite Wellen, auch in Europa. Vor allem eine Frage beschäftigt Schwule und Lesben: Darf sich ein Politiker, der scheinbar selbst schwul ist, gegen die Rechte von Homosexuellen aussprechen?

Schon wieder hat es einen erwischt, diesmal den US-Senator Larry Craig, der für den Bundesstaat Idaho im Senat sitzt. Der 62-jährige Republikaner war im Juli in eine verdeckte Polizeiaktion gegen homosexuelle Handlungen auf dem Flughafen Minneapolis geraten und wegen "unzüchtigen Verhaltens" auf der Herren-Toilette von Beamten in zivil festgenommen worden. Er bekannte sich schuldig, zahlte 575 Dollar Strafe und Gebühren und hoffte insgeheim darauf, dass der Vorfall nicht an die Öffentlichkeit gelangt.

Doch die Presse erfuhr von dem Vorfall, Craig versuchte zu retten, was noch zu retten war. "Ich wollte die ganze Geschichte möglichst schnell aus der Welt schaffen," beteuert der Senator in einer Pressemitteilung. "Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich mich nicht hätte schuldig bekennen sollen." Bereits am Tag des Zwischenfalls habe er sich bei der Polizei beschwert, dass sein Verhalten fehlgedeutet werde.

Geholfen hat ihm diese Rechtfertigung nicht, es war bereits zu spät. Seine republikanischen Kollegen im Kongress distanzierten sich von ihm, schlossen ihn sofort aus den Parlamentsausschüssen aus und isolierten ihn damit von der "wirklichen" Politik. Sogar Präsident Bush freue sich über das politische Ableben des Senators, hieß es aus dem Weißen Haus. Bush habe den Senator angerufen und ihm alles Gute für sein weiteres Leben gewünscht, sagte ein Sprecher.

So wurde Craig zum tragischen Opfer seiner eigenen Politik. Denn der Senator hatte sich stets gegen die Rechte Homosexueller ausgesprochen, stimmte für ein verfassungsmäßiges Verbot der Homo-Ehe und gegen die Einbeziehung sexueller Identität ins Antidiskriminierungsgesetz.

Schwule und Lesben in Amerika  zeigen sich empört. Die Welle der Entrüstung schwappt bis nach Europa. Vor allem eine Frage beschäftigt die Szene: Darf sich ein Politiker, der scheinbar selbst schwul ist, gegen die Rechte von Homosexuellen aussprechen?

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