Das gleiche Bett teilen

Falk Steinborn Von Falk Steinborn
Das gleiche Bett teilen
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Es kommt der Zeitpunkt in einer Beziehung, da wird über eine gemeinsame Wohnung geredet. Aber aufgepasst: Es gibt einiges zu beachten, damit aus der neuen Wohnung kein Beziehungsproblem wird.

Es ist ein Schritt in eine ernsthafte Zukunft: Wenn Paare zusammenziehen wollen, dann wertet das oft die Beziehung auf. Allerdings kann das Zusammenleben in den gemeinsamen vier Wänden auch viel Stress mit sich bringen. Deshalb gibt es einiges zu beachten - wie Chris und sein Freund gemerkt haben.

Eigentlich hatte Chris (22) seine Beziehung so nicht geplant. Seit vier Wochen war er mit seinem Freund (24) zusammen, dann stand er plötzlich auf der Straße. "Ich musste von zu Hause weg", sagt Chris rückblickend und zog kurzer Hand zu seinem Freund in die 1-Zimmerwohnung in Hamburg. Für so manche Beziehung wäre das der Supergau gewesen. Denn nach vier Wochen steht eine Beziehung in der Regel noch auf recht wackeligen Beinen.  Und dann gleich zusammenziehen?

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Ein harmonisches Zusammenleben erfordert Kompromissbereitschaft und Verständnis.

Ein harmonisches Zusammenleben erfordert Kompromissbereitschaft und Verständnis.

Chris und sein Partner hatten einige Startschwierigkeiten: Zwei unterschiedliche Leben prallten aufeinander, unterschiedlicheVorstellungen von Ordnung und Einrichtung, unterschiedlicheTagesabläufe. "Es war eine sehr anstrengende Zeit. Wir hatten unseinige Male recht stark in der Wolle", erzählt Chris. Problemebereitete ihm vor allem der Putzfimmel seines Freundes. "Wenn man zuzweit ist, dann ist es klar, dass es mehr Dreck gibt." Sein Freund aberwollte stets die perfekte Sauberkeit, was immer wieder zu Diskussionenführte, sodass sich beide annähern mussten. Chris achtete etwas mehrauf die Ordnung und sein Freund sah auch mal über den ein oder anderenKrümel hinweg. Das ist es, was das friedliche Zusammenleben ausmacht:Den anderen akzeptieren, wie er ist und Kompromisse eingehen,  woStreit vorprogrammiert ist.

Gemeinsame Wohnungssuche: Offen schwul oder Geheimnistuerei?

Chrisund sein Freund haben das getan. Weil sie sich gut verstanden, wurdeaus Chris Ursprungsidee "mal ein paar Wochen" bei seinem Freundunterzukommen schließlich ein dreiviertel Jahr. Allerdings waren dieVermieter irgendwann alles andere als begeistert: "Sie haben mirnahegelegt auszuziehen. Der muss hier weg, der passt hier nicht in dieGegend haben sie gesagt", erinnert sich Chris. Er und sein Freundbeschlossen daraufhin, sich eine neue -größere- Wohnung zu suchen. VonAnfang an war für die beiden klar, sich als Paar vorzustellen. "Wirsind offen damit umgegangen, denn wir wollten ja auch in der neuenWohnung zusammenleben statt uns zu verstecken." Bei ihren neuenVermietern kam diese offene Art an. Sie begrüßten die beiden mit denWorten "Schwule Mieter haben wir gern; die sind so sauber", sagt Chris.Er erzählte beim Vorstellungstermin sogar, wie sich die beidenkennengelernt haben - ein Glücksfall.

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Oft ist die erste gemeinsame Wohnung eine Belastungsprobe für die Beziehung.

Oft ist die erste gemeinsame Wohnung eine Belastungsprobe für die Beziehung.

Das Leben aufeinander abstimmen aber auch Freiräume behalten

KurzeZeit später zogen Chris und sein Freund in ihre neue Wohnung ein. Aberschon beim Zusammenziehen gab es die ersten neuen Hürden. Denn wennzwei Haushalte zu einem werden sollen, dann ist oft einiges doppeltvorhanden und anderes muss neu angeschafft werden. VerschiedeneGeschmäcker und "Das-muss-unbedingt-in-die-neue-Wohnung"-Ansprücheprallen aufeinander. Bei Chris waren es die vielen Computer, die seinemFreund die Nase rümpfen ließen. "Als Informatiker schleppt man nuneinmal zwei drei Computer mehr mit", erklärt Chris verständnissuchend.Von seinem Freund hat er das bekommen. Immerhin passt in ihre neueWohnung auch mehr rein als in die 1-Zimmerbude.

Die neueWohnung ist klassisch geschnitten: Küche, Bad, Wohn- und Schlafzimmer.Auf individuelle Räume haben sie hingegen verzichtet. Denn ihrepersönlichen Freiräume sind für sie nicht von Räumen in der Wohnungabhängig, sondern von ihren Hobbys. Chris geht Bouncen (mitSpringstiefeln herumlaufen) und sein Freund ins Fitnessstudio. Sohocken sie nicht permanent aufeinander und gehen sich womöglichgegenseitig auf die Nerven. Hinzu kommt, dass beide unterschiedlicheTagesabläufe haben. Während Chris erst um 10 Uhr zu arbeiten beginnt,muss sein Freund schon zwei Stunden eher anfangen. Damit sie aber inihrer gemeinsamen Wohnung nicht nebeneinander sondern zusammenleben,haben sie ein Ritual eingeführt: "Wir haben unsere Zeit gefunden, zuder wir uns zusammen zur Nachtruhe begeben, da wir es wichtig finden umuns einfach noch einige Dinge über den Tag erzählen zu können."

Haushaltskassen ja oder nein?

ImZweifelsfall muss im Bett dann auch schon einmal darüber gesprochenwerden, wer einkaufen geht, wenn im Kühlschrank nichts als Leerevorherrscht. Eine gemeinsame Haushaltskasse führen die beiden für ihreAusgaben aber nicht. "Wir hatten das erst überlegt. Aber noch ein Kontound noch eine PIN-Nummer wollten wir nicht." Also bezahlen sie getrenntund das hält sich meist sogar die Waage. Und wenn nicht: "Es ist dochvollkommen egal, wie viel jeder ausgibt. Man liebt sich doch", sagtChris. Für ihn und seinen Freund war die gemeinsame Wohnung deshalb bisheute genau die richtige Entscheidung. Trotz einigerStartschwierigkeiten leben sie glücklich zusammen. Und so ist ihreBeziehung dank Wohnung nun auch "viel tiefgehender als vorher."

Was gibt es noch bei der ersten gemeinsamen Wohnung zu beachten? Hier geht's zu den Tipps:

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