Das Interview

Patrick Fina Von Patrick Fina

Friedrich-Ernst Düppe ist Pressesprecher des DRK-Blutspendedienst West.Er stand uns freundlicherweise für die Beantwortung einiger Fragen zum Thema "Ist unser Blut nicht gut genug?" zurVerfügung.


Friedrich-Ernst Düppe ist Pressesprecher des DRK-Blutspendedienst West.

Er stand uns freundlicherweise für die Beantwortung einiger Fragen zur Verfügung.





Herr Düppe, wann haben sie zum letzten Mal Blut gespendet?

Friedrich-Ernst Düppe: Meine letzte Blutspende liegt leider schon etwas zurück. Da ich Allergiker bin, kann ich nicht immer Blut spenden, sondern muss berücksichtigen, wann ich welche Medikamente einnehmen muss, die eine Blutspende nicht zulassen.

In einem Interview mit stern.de appellierte Peter Schlenke vom Universitätsklinikum Lübeck: "Wir brauchen mehr Blutspender". Machen Sie sich Sorgen um die Blutversorgung in den Krankenhäusern?

Friedrich-Ernst Düppe: Wenn wir in Deutschland den Versorgungsstandard beibehalten wollen, den wir heute haben, dann brauchen wir in Zukunft mehr neue blutspendewillige Menschen. Das steigende Alter unserer Bevölkerung und die Entwicklungen der modernen Medizin erfordern mehr Blut zur Patientenbehandlung. Leider ist in Deutschland die Bereitschaft zur freiwilligen unentgeltlichen Blutspende längst nicht so ausgeprägt wie bei unseren europäischen Nachbarn. Jeder gesunde Mensch sollte deshalb prüfen, ob für ihn eine Blutspende mindestens zweimal im Jahr nicht möglich wäre.

Das Transfusionsgesetz verbietet Homosexuellen die Blutspende. Wieso?

Friedrich-Ernst Düppe: Zunächst einmal eine kleine Korrektur: nicht das Transfusionsgesetz, sondern die "Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Hämotherapie) Gesamtnovelle 2005", herausgegeben von der Bundesärztekammer und vom Paul-Ehrlich-Institut, regeln die Details der Zulassung zur Blutspende.

Als Patienten erwarten wir, dass Blutpräparate die höchst mögliche Sicherheit aufweisen, die wir heute auf dem Stand von Wissenschaft und Technik erreichen können. Jede einzelne Blutspende wird sorgfältig auf HIV, Hepatitis B und C untersucht. Die dazu verwendeten Tests sind äußerst zuverlässig, können jedoch ein Problem nicht lösen: die diagnostische Fensterphase am Beginn einer frischen Infektion. Es besteht bei den heutigen Testverfahren nach wie vor ein Restrisiko durch frisch Infizierte, die von den Tests noch nicht erfasst werden können. Deshalb ist es für die gewünschte Risikominimierung unumgänglich, von der Spende solche Personen auszuschließen, die ihrerseits ein erhöhtes Risiko haben, sich zu infizieren.

Ist dieser Ausschluss angesichts der knappen Vorräte noch tragbar?

Friedrich-Ernst Düppe: Ja, das muss verkraftbar sein, denn unser oberstes Ziel ist die Erreichung höchst möglicher Sicherheit für den Empfänger des gespendeten Blutes. Derzeit werden bei unserem Blutspendedienst etwa 12 % der Spendewilligen über diesen Weg gar nicht erst zur Blutspende zugelassen. Allein diese Zahl zeigt, dass von den Richtlinien nicht nur Homosexuelle betroffen sind.

In einem Gespräch mit FOCUS Online sagte Klaus Jetzt, Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbands Deutschland, dass Schwule durch das Transfusionsgesetz unter einen HIV-Generalverdacht gestellt würden. Was sagen Sie zu diesen Vorwürfen?

Friedrich-Ernst Düppe: Diese Meinung kann ich nicht teilen. Zu den spendewilligen Personen, die wir entsprechend den gesetzlichen Vorgaben nicht zur Blutspende zulassen dürfen, gehören nicht nur Homosexuelle. Die Ausschlusskriterien erfassen beispielsweise auch Personen, die sich zwischen 1980 und 1996 insgesamt länger als sechs Monate in Großbritannien aufgehalten haben. Dabei geht es um den Schutz vor der Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit. Es geht bei allen Maßnahmen um die Sicherheit der Blutpräparate. Wenn in diesem Zusammenhang eine Bevölkerungsgruppe durch die amtliche Statistik bekannt ist, innerhalb derer die Rate der Neuinfektionen, hier mit HIV, deutlich über dem vergleichbaren Wert anderer Bevölkerungsgruppen liegt, dann muss dies zu entsprechenden Regelungen bei der Spenderzulassung führen.

Nach jeder Blutentnahme werden aufwändige Tests gemacht, unter anderem wird das Blut auf HI-Viren getestet. Macht das einen Ausschluss Homosexueller nicht überflüssig?

Friedrich-Ernst Düppe: Die heute zur Verfügung stehenden Tests können keine hundertprozentige Sicherheit garantieren, da sie in der diagnostischen Fensterphase zu Beginn einer frischen Infektion eine Virusbelastung noch nicht entdecken können. Die schriftliche Befragung aller Spendewilligen nach Risikoverhalten ist eine ergänzende Maßnahme zur Erhöhung der Sicherheit von Blutpräparaten und in der internationalen Fachwelt unumstritten. Übrigens dürfen homosexuelle Frauen in Deutschland durchaus Blut spenden, da es keine Daten gibt, die auf ein erhöhtes HIV-Risiko in dieser Population hinweisen.

In Spanien und Portugal dürfen Schwule mittlerweile Blut spenden. Sogar die USA planen, die Gesetze zu liberalisieren. Wann glauben Sie, folgt Deutschland? Folgt Deutschland überhaupt?

Friedrich-Ernst Düppe: Diese Frage müssen Sie an die Verantwortlichen der Bundesbehörden und an die Politiker stellen. Wir sind als Blutspendedienst nur ausführendes Organ hinsichtlich der uns vorgegebenen Richtlinien und Gesetze.

Womit muss man rechnen, wenn man auf dem Fragebogen falsche Angaben macht und als Schwuler sein Blut spendet?

Friedrich-Ernst Düppe: Warum sollte ein schwuler Mann das tun? Mit der Blutspende will die spendende Person doch Hilfe leisten für einen kranken Mitmenschen, der auf dieses Blut angewiesen ist. Und auch Schwule können Patienten sein, die auf Blutpräparate angewiesen sind. In diesem Fall erwarten auch schwule Patienten, dass die höchst mögliche Sicherheit der Präparate gewährleistet wird.

Im Übrigen bestätigt jeder Spendewillige mit seiner Unterschrift die wahrheitsgemäße Beantwortung der schriftlich gestellten Fragen. Die Blutspendedienste sind verpflichtet, alle Unterlagen im Zusammenhang mit einer Blutspende 30 Jahre lang rückverfolgbar zu dokumentieren. Sollte es also einmal zur Übertragung einer entsprechenden Infektion durch Blutpräparate gekommen sein, ließen sich die zugehörigen Dokumente bis zum Spender zurück verfolgen. Ob dann bei nachgewiesener falscher Antwort auf die Anamnesefragen ein Haftungsanspruch geltend gemacht werden kann, ist eine meines Wissens derzeit noch nicht endgültig juristisch geklärte Frage.

Herr Düppe, vielen Dank für die Beantwortung unsere Fragen und alles Gute.

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Weitere Quellen: Blutspende-Dienst West Presse