"Das muss man ne Weile auch aushalten"

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
"Das muss man ne Weile auch aushalten"
YouTube/LeFloid

Mit Spannung erwartet: YouTuber LeFloid interviewt Angela Merkel. Natürlich geht es auch um die Ehe für alle. Unterschiedliche Meinungen will die Kanzlerin "ne Weile aushalten". Kritische Nachfragen von LeFloid? Keine Spur.

Mit großer Spannung wurde das Interview erwartet: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betritt Neuland und lässt sich von YouTuber LeFloid (27) interviewen. Unter dem Hashtag #NetzFragtMerkel sammelte Florian Mundt, so sein eigentlicher Name, im Vorfeld Fragen seiner Community, die er dann der Kanzlerin stellte. Eigentlich eine gute Idee: LeFloid, mit über 2,5 Millionen Abonnenten einer der erfolgreichsten deutschen YouTuber, nutzt seine Popularität, um Jugendliche mit Politik zu konfrontieren.

Nachdem LeFloid die obligatorische Frage gestellt hat, wieso er die Kanzlerin überhaupt befragen dürfe, kommt er sehr schnell zum Thema Ehe für alle: "Wie fühlen Sie sich persönlich, wenn Sie beispielsweise mit einem offenen Brief der CDU konfrontiert werden, die die offene Ehe so vehement ablehnt?"

Der leise Versuch einer Gegenfrage

"Ja, also ich bin erstmal jemand, der sehr stark dafür ist, dass wir alle Diskriminierung abbauen. Also wir haben ja viel geschafft, wenn ich denke, vor 25 Jahren, da haben viele sich noch nicht einmal getraut zu sagen, wenn sie schwul oder lesbisch sind. Da sind wir Gott sei dank drüber hinweg. Man kann eingetragene Partnerschaften eingehen. Für mich persönlich ist Ehe das Zusammenleben von Mann und Frau, aber ich bin für eingetragene Partnerschaften, dafür dass wir im Steuerrecht keine Diskriminierung haben. Wo immer wir noch Diskriminierung finden, werden wir die auch weiter abbauen", lautete die erste Antwort von Angela Merkel zur Debatte um die Ehe für alle, seit sie nach dem Irland-Referendum wieder aufgekommen ist. Sie wusste, dass die Frage kommt, Argumente hatte sie trotzdem nicht.

LeFloid versucht, ihr eine Gegenfrage zu stellen: "Ist es nicht im Prinzip Wortklauberei, wenn man sich tatsächlich nur davor scheut, dass homosexuelle Menschen etwas wollen, was nur gleich ist, aber nicht gleich benannt wird. Es ist für mich immer noch ein Unterscheid, es ist nicht das gleiche - und sie wollen einfach das gleiche - das ist für mich ein Ausschluss von etwas." 

Ein zu leichtes Spiel für Merkel

"Ich glaube, dass man das auch akzeptieren muss, dass es dazu verschiedene Meinungen gibt. Ich sage meine und für mich ist die Ehe das Zusammenleben von Mann und Frau und ich möchte keine Diskriminierung und eine mögliche Gleichstellung, aber mache dann eben an einer Stelle einen Unterschied, da haben Sie Recht. Und darüber gibt es eben in der Gesellschaft unterschiedliche Meinungen, selbst bei mir in der Partei und in der Regierung. Das muss man ne Weile dann einfach auch aushalten."

LeFloid lacht. Was für eine abstruse Antwort, ganz die Merkel-Aushalte-Politik. Genau das wäre der Moment, in dem er kritisch nachhaken könnte, nein, müsste. Wieso sie Menschen aufgrund ihrer Sexualität Rechte nicht zugestehen möchte, weshalb sie sich von Entscheidungen in Irland oder den USA nicht bewegen lässt. Stattdessen: "Absolut", stimmt er ihr sogar zu. "Man könnte schon sagen: Diskriminierung nein, aber ein Unterschied soll nach wie vor bleiben?", fragt er. Merkel stimmt zu.

LeFloid leitet über zum Internet, in dem homophobe, ausländerfeindliche und nationalistische Meinungen kundgetan werden. Thema Ehe für alle abgehandelt. Doch auch für die anderen Bereiche - Bildung, TTIP, NSA - gilt: Neue Erkenntnisse: Fehl am Platz. Kritische Nachfragen: Keine Spur. Stattdessen bietet der zahme LeFloid der Kanzlerin eine Bühne, um ihre Ansichten ungefiltert loszuwerden. "Absolut" scheint sein Lieblingswort zu sein, um ihr ständig beizupflichten. Er lässt sie ausreden, solange sie will. Ein fast schon zu leichtes Spiel für Merkel. Chance vertan, leider.

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Weitere Quellen: YouTube/LeFloid