Das verflixte siebte Jahr

Falk Steinborn Von Falk Steinborn

Seit 7 Jahren gibt es in Deutschland die "Homo-Ehe". Wie in jeder Ehe ist das der Zeitpunkt, um Bilanz zu ziehen. dbna zeigt in einem Video, wie es um die Homo-Ehe steht, was es zu verbessern gibt und wie ein wirklich glückliches Paar aussieht.

Paare wie Kay und Rüdiger (siehe Video) bestätigen, dass die Homo-Ehe sieben Jahre nach dem Inkrafttreten des Lebenspartnerschaftsgesetzes ein Erfolg ist. Für ihre Liebe haben sie mit der gleichgeschlechtlichen Ehe einen gesetzlichen Rahmen gefunden.

So wie ihnen geht es auch 15.000 anderen verheirateten schwulen und lesbischen Paaren. Für den Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD)  ist die Homo-Ehe deshalb ein wichtiger Schritt in der Schwulenbewegung wie Pressesprecherin Renate Rampf erklärt: "Die gleichgeschlechtliche Ehe hat viel dazu beigetragen, dass Schwule und Lesben in der Gesellschaft mehr angekommen sind." Dies müssten selbst die Gegner der Homo-Ehe eingestehen. Denn wenn Schwule und Lesben nicht nur in der Großstadt sichtbar sind, sondern auch in der Dorfkirche heiraten dürfen, "dann hat das die Wahrnehmung von Schwulen und Lesben verändert."

Ehe als Lightversion
Trotz dieser positiven Seiten ist die Homo-Ehe gegenüber der konventionellen Ehe zwischen Mann und Frau nicht gleichberechtigt. Das zeigt sich besonders in Fragen, die mit den gegenseitigen Verpflichtungen und Rechten der Ehepartner zusammenhängen, beispielsweise dem Erbschaftsrecht.

Der Grund dafür liegt im Artikel 6 des Grundgesetzes. In diesem wird die Ehe oder Familie als Bund von Mann und Frau beschrieben. In der Praxis können somit Gerichte und Verwaltungen gegen die Anerkennung der ehelichen Rechte bei der Homo-Ehe entscheiden, wie etwa dem Familienzuschlag bei der Beamtenbesoldung. Für den LSVD heißt die Lösung deshalb: Schwule und Lesben müssen unter den Diskriminierungsschutz des Grundgesetzes gestellt werden, damit die Benachteiligung der Homo-Ehe gegenüber der konventionellen Ehe ein Ende findet.

Die Änderung des Grundgesetzes gehört jedoch zu den größeren Hürden im Parlament und erscheint deshalb wenig aussichtsreich. Wahrscheinlicher ist da schon, dass die Bundesregierung die Ungleichheit in einzelnen Gesetzes abschafft. So forderte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries jüngst die vollständige Gleichstellung von eingetragenen Lebenspartnerschaften. Ein Jahr bleibt der großen Koalition noch, um dies anzugehen.

Homo-Ehe als Rückschritt nach vorn
Dass die Gleichstellung der Homo-Ehe nicht ohne Konflikte ablaufen wird, ist abzusehen. Denn nicht nur im Zuge ihrer Einführung, sondern auch heute noch gab und gibt es Kritik an ihr. Und die kommt wider Erwarten nicht nur von Konservativen. In der Diskussion melden sich auch Vertreter der Queer-Theorie zu Wort, die das patriarchale und heteronormative System von Mann und Frau abschaffen wollen. Teil dieses Systems ist in besonderer Weise auch die Ehe, die Frauen in die Abhängigkeit vom Mann drängt.

Ein Aufsatz von Nina Degele, Professorin für Gender Studies an der Universität Freibug, bezeichnet die Homo-Ehe als "Rückschritt nach vorn". Begrünet wird diese These damit, dass Schwule und Lesben durch die Heirat heterosexuell normalisiert werden. Dazu gehört vor allem das Eingehen von lebenslangen Bindungen und Monogamie. Denn in der heteronormativen Welt gilt: "Ein gutes Paar ist ein verheiratetes Paar." Mit der Homo-Ehe erlangt dieses Ideal auch für Schwule und Lesben Gültigkeit. Letztlich bedeute dies, so Degele, dass Sexualität immer weiter staatlich reguliert und queere Lebensformen (z.B. Beziehungen aus mehr als zwei Partnern) ins Abseits gedrängt werden. Auch der Verlust der schwul-lesbischen Subkultur könnte damit einhergehen.

Der LSVD, der sich maßgeblich für die Homo-Ehe eingesetzt hat, weist diese Ansichten zurück. "Man kann nicht sagen, dass die Homo-Ehe die klassischen Bilder bestätigt. Das ist Unsinn", so Renate Rampf. Denn letztlich kann jeder noch selbst entscheiden, ob er eine Ehe eingeht. "Trotzdem müssen wir die Rechte haben, die andere auch haben", so Rampf weiter. Doch das ist noch lange nicht der Fall.

Zahlen, Zahlen, Zahlen

  • Seit wann dürfen Schwule und Lesben Heiraten?
    • Deutschland: 1. August 2001
    • Schweiz: 1. Januar 2007
    • Österreich: noch nicht
  • Wie viele eingetragene Lebenspartnerschaften gibt es?
    • 15.000 in Deutschland (Bundesamt für Statistik 2007)
  • Wie stehen die Europäer zur Homo-Ehe?
    • 44 Prozent sind dafür
    • 49 Prozent sind dagegen (Eurobarometer 2006)

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Weitere Quellen: istockphoto.com/govicinity