Der Kinsey-Report

Redaktion Von Redaktion

Alfred Charles Kinsey- um diesen Namen kam man in den letzten Wochennur schwer herum. Aufgrund des aktuellen Kinofilms ist er wieder insGespräch gekommen, der Sexualforscher, der das Amerika der 50er Jahreerschütterte.

57 Jahre nach der Veröffentlichung ist der Kinsey-Report ungebrochenberühmt-berüchtigt. Alfred Charles Kinsey, geboren am 23. Juni 1894 inHoboken, New Jersey, widmete sich nach 20 Jahren Insektenforschung dermenschlichen Sexualität zu und brachte zwei Bücher heraus, die dasamerikanische Menschen- und vor allem Frauenbild veränderte: Sexual Behavior in the Human Male (1948) und Sexual Behavior in the Human Female (1953). Jahrelang führte Kinsey anonyme Interviews mit über 18.000 Amerikanerndurch und das Ergebnis zeigte, dass die öffentlich gepredigte undgesellschaftlich geforderte Sexualmoral bei weitem nicht der Realitätentsprach.

In einer Zeit, wo Masturbation ein Tabuthema war undangeblich zu Krankheiten wie Blindheit, Rückenmarksschwund oderbehaarten Handflächen führte, fand Kinsey heraus, dass 92% der Männermasturbierten ohne Nebenwirkungen.
 
Der Skandal war da und damit auch der Ruhm, denn zu Kinseysspektakulären Ergebnissen gehören die Angaben, dass 37% der männlichenund 13% der weiblichen Befragten homosexuelle Erfahrungen haben, dassnahezu jeder Körperteil von Menschen als erogene Zone angegeben wird,50% der Männer und 26% der Frauen außerehelichen Sex haben, in jederzweiten Ehe Oralverkehr praktiziert wird und jede zweite Frau nichtjungfräulich in die Ehe geht. Das Bild der amerikanischen Frau schien ruiniert, denn nach dem 2.Weltkrieg propagierten die Medien das Bild der liebenden, treusorgenden Ehefrau und Mutter, die sich für die Kinder aufopfert und Sexnur zulässt, um den Mann zufrieden zu stellen und Kinder zu zeugen.

Dass aber 90% der verheirateten Frauen schon mal einen Orgasmus haben,14% sogar multiple, dass Frauen masturbieren und auch außerehelichenSex hatten, das alles war ein viel zu sexualisiertes Frauenbild für dasprüde Amerika der 50er und rief schnell die Kritiker auf den Plan. Zu den Hauptkritikpunkten am Kinsey-Report gehört die statistischschlechte Auswahl der befragten Menschen. Trotz der großen Menge anInterviews - über 18.000 - stammten doch alle Umfragen von weißenAmerikanern mit durchschnittlichen Einkommen im Alter von 18 und 35.Bestimmte Berufsschichten wurden stärker berücksichtigt, als es demVerhältnis der Gesellschaft entspricht und diese mangelhaftenAuswahlkriterien der Befragten wurden als Aufhänger genutzt, KinseysReport als unwissenschaftlich, seine Erkenntnisse als nichtAussagekräftig zu diffamieren.
 
Kinsey starb 1956, doch sein Ruhm blieb ungebrochen und 1979 brachtePaul Gebhard, Kinseys Nachfolger und Leiter des "Kinsey Instituts forSex Research" eine revidierte Fassung des Kinsey-Reportes heraus, inder er die Ergebnisse von Verfälschungen bereinigte und die Auswahl derInterviews den amerikanischen Standards anpasste. Das Ergebnis: Nixneues, denn die Erkenntnisse Kinseys blieben im Grunde gleich undbestätigt und obwohl die Ergebnisse nun über 50 Jahre alt sind, bleibensie die größte und umfassendste Studie zur menschlichen Sexualität.

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Weitere Quellen: stern.de, wikipedia.de, indiana.edu