Deutliche Kritik vom Vatikan

Patrick Fina Von Patrick Fina

Eines ist klar: auch der neue Papst Benedikt XVI. nimmt kein Blatt vorden Mund. Erstmals äußerte er sich jetzt zum Thema Homo-Ehe, und seineWorte übertrafen alle Erwartungen - natürlich im negativen Sinne. Wieso unsere "anarchistische Pseudo-Ehe" die Gesellschaft zerstört...

Es war eine Frage der Zeit, wann sich Papst Benedikt XVI. erstmals zumThema Homosexualität äußern würde. Lange genug haben wir daraufgewartet. Lange haben wir spekuliert, inwiefern der Vatikan von seinerkonservativ-verstaubten Position selbst nur wenige Zentimeter abweichenwürde. Dennoch war der Paukenschlag groß, die Erwartungen negativübertroffen, als das neue Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche zumErsten mal zu diesem Thema Stellung bezog. "Die verschiedenen Formender Auflösung der Ehe wilde Ehen, Ehen auf Probe sowie Pseudo-Ehenzwischen Menschen des gleichen Geschlechts sind Ausdrücke eineranarchischen Freiheit, die sich selbst fälschlicherweise als die wahreBefreiung des Menschen darstellt", verkündete Benedikt XVI. wenige Tagevor einem Referendum über künstliche Geburtenkontrolle in Italien.Eines ist nach diesem Statement klar: auch der neue Papst nimmt keinBlatt vor den Mund.

So bezeichnet der frühere Joseph Kardinal Ratzinger homosexuellePartnerschaften als "unecht" und darüber hinaus als Bedrohung für dieZukunft der Familie. "Pseudo-Freiheiten" wie gleichgeschlechtliche Ehengingen laut Benedikt XVI. auf die "Banalisierung des menschlichenKörpers" zurück. Ehe und Familie seien schließlich keine lockeresoziologische Konstruktion, sondern Ergebnis besonderer geschichtlicherund wirtschaftlicher Situationen.

Wo er schon mal dabei war, diese "Pseudo-Freiheiten" zu kritisieren,schlug Benedikt XVI. außerdem direkt einen Bogen zu einem anderenbeliebten Hass-Thema innerhalb der Führung der römisch-katholischenKirche: der Verhütung. Denn Paare handelten gegen die Natur der Liebe,wenn sie systematisch das "Geschenk des Lebens" ausschlössen.

Dass gerade die römisch-katholische Kirche von einer Banalisierung desKörpers spricht, verwundert ungemein, wo doch gerade in der Kircheschon seit Jahrhunderten der menschliche Körper banalisiert wird. Seies in irdischer, als auch in geistlicher Hinsicht Etwas verwundetallerdings weniger: die Gewissheit, dass die Kirche auch im 21.Jahrhundert den Zeitgeist verkennt und weiterhin versucht, dasgesellschaftliche Denken einige Hundert Jahre zurück in dieVergangenheit zu drängen. Aber mal ehrlich: haben wir wirklich etwasanderes erwartet?    

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Weitere Quellen: Reuters