Dialekt macht schlau

Christian Brandl Von Christian Brandl

Für die im bundesweiten Vergleich recht guten PISA-Ergebnisse von Schülern aus Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen hatten Experten schnell eine Erklärung bereit: Schüler aus dialektal geprägten Regionen weisen eine stärkere Sprachkompetenz auf und der Slogan "Dialekt macht schlau" machte schnell die Runde. Da der regionale Dialekt aber insbesondere in Großstädten wie München, Stuttgart oder Nürnberg immer weniger gesprochen wird, wollen Kultusministerien durch Schülerwettbewerbe und Schulprojekte die Mundart wieder fördern.

Dem dem Münchener Sprachwissenschaftler Wolfgang Schulze gehen diese Bemühungen aber noch nicht weit genug: er fordert, dass Hochdeutsch künftig an deutschen Schulen nur noch Zweitsprache sein solle und sowohl Lehrer, als auch Schüler im Dialekt unterrichten bzw. lernen sollen. Zwar räumt er ein, dass ein hohes Leistungsniveau in Fächern wie Mathematik oder Geschichte kaum durch höhere Sprachkompetenz erklärt werden könne, aber Dialektsprecher müssten zwischen verschiedenen Sprachebenen unterscheiden und trainierten damit ihre Auffassungsgabe und abstraktes Denken.

Dass Schüler die Dialekt sprechen automatisch bessere Schüler sind, bezweifelt jedoch der Deutsche Philologenverband: "Dialekt kann auch eine Hürde sein, besonders beim Übergang auf weiterführende Schularten", so Verbandschef Heinz-Peter Meidinger. Sei dieser Sprung aber geschafft, seien die Dialektsprecher im Vorteil, weil sie den Wechsel der Sprachebene beherrschten. Ob dies jedoch eine so einschneidende Änderung des Unterrichts rechtfertige, wie Schulze sie fordert, bezweifelt Meidinger: "Neue Fächer lösen keine Probleme". So könne man die Umgangssprache auch in den Unterricht integrieren, ohne ein separates Fach hierfür einzuführen.

dbna.newsletter
Bleibe immer up-to-date.
Abonniere unseren wöchentlichen Newsletter!
Weitere Quellen: Spiegel ONLINE