Die Homo-Ehe, die niemand will

Patrick Fina Von Patrick Fina

Damit hatte niemand gerechnet. Spanische Schwule dürfen seit Sommerheiraten und sogar Kinder adoptieren. Das Problem: niemand scheint daszu wollen. Was läuft schief in Spanien?

Damit hatte niemand gerechnet. Jahrelange Diskussionen wurden geführt,scharfe Kritik wurde eingesteckt und viel Arbeit investiert. Und dannwar es so weit: das spanische Parlament verabschiedete im Sommerendlich ein Gesetz über die Homo-Ehe. Freude bei den spanischenSchwulen, denn von nun an durften sie nicht nur heiraten, sondern auchKinder adoptieren. Ein Privileg, das es in Europa sonst nur in denNiederlanden gibt.

Ein kleines Problem mit der Homo-Ehe gibt es allerdings nach wie vor.Die spanischen Schwulen scheinen gar nicht heiraten zu wollen. Seitdemdas Gesetz in Kraft getreten war, gaben sich im ganzen Land geradeeinmal 50 Paare das Ja-Wort. Der groß angekündigte Ansturm auf dieStandesämter blieb aus. Die Verwirrung ist groß was ist schiefgelaufen?

Meinungen gibt es viele. "Die unsichere Rechtslage", glauben die einen."Gesellschaftliche Zweifel", die anderen. Beides könnte zutreffen. Denntatsächlich ist es so, dass die konservative Volkspartei (PP) eineVerfassungsklage eingereicht hat. Denn die Homo-Ehe sei eine"Zweckentfremdung" der Ehe ein Argument, das man oft zu hörenbekommt. Was mit den schon geschlossenen Ehen geschieht, falls dieKlage der Konservativen erfolgreich ist, bleibt unklar. Im schlimmstenFall kann es passieren, dass die bisher geschlossenen Ehen nachträglichfür ungültig erklärt werden. Außerdem gibt es viele spanischeStandesämter, die sich weiterhin gegen das beschlossene Gesetz wehren.So passierte es schon insgesamt fünf gleichgeschlechtlichen Paaren,dass sie unverrichteter Dinge wieder nach Hause geschickt wurden. Diezuständigen Richter hatten die Eheschließung verweigert, da sie dieHomo-Ehe nach wie vor für verfassungswidrig halten.

Luisa Notario vom spanischen Schwulen- und Lesbenverband Lambda glaubt,dass Spanien für die Homo-Ehe noch nicht bereit ist. "Vor dem Gesetzsind wir gleichgestellt", sagt sie. "Aber nicht in der Gesellschaft."Nach wie vor gebe es Homophobie, was ein Coming-out für viele unmöglichmache. Ganz zu schweigen von einer Eheschließung, die schließlich einComing-out voraussetzt.
 
Von einem gescheiterten Gesetz wollen die regierenden Sozialistenallerdings nicht sprechen. "Das Wichtigste ist, dass wir Homosexuellegleichberechtigt sind", betont Pedro Zerob von der  PSOE. Erselbst ist schwul, geoutet und verheiratet. Er war einer der ersten,der sich mit seinem Lebenspartner das Ja-Wort gab. Dass das Gesetz erstzögerlich in Anspruch genommen wird, hält er für ganz normal.Schließlich sei es damals auch nicht zu einer Scheidungswelle gekommen,als man in Spanien 1981 die Scheidung zuließ. Und scheinbar kommtlangsam Bewegung in die spanische Homo-Ehe: wie die Behörden sagen,haben bereits mehr als 600 schwule und lesbische Paare die Heiratbeantragt.

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Weitere Quellen: Mitteldeutsche Zeitung