Die Katholiken und die Schwulen

Redaktion Von Redaktion

In meinem Browser öffnet sich beim Start - neben dbna - noch so manchandere "Schwulenseite". Oft fallen mir dabei auch Neuigkeiten aus demVatikan und der katholischen Kirche ins Auge. Und der Vatikansträubt er sich gegen so manche Neuerung...

In meinem Browser öffnet sich beim Start - neben dbna - noch so manch andere "Schwulenseite". Oft fallen mir dabei auch Neuigkeiten aus dem Vatikan und der katholischen Kirche ins Auge. Und, wie wohl jeder weiß, sträubt er sich gegen so manche Neuerung, der Vatikan, ob es nun um Abtreibung, Frauen im Priesteramt oder eben Homosexualität geht.
Zu letzterem heißen Eisen äußerte sich etwa die deutsche Bischofskonferenz in ihrer Verlautbarung des apostolischen Stuhls Nr. 162. Diese beschreibt Homosexualität in ihrer Einleitung als "beunruhigendes moralisches und soziales Phänomen". Homosexuelle Beziehungen würden gegen das natürliche Sittengesetz verstoßen.
Im Internet bieten katholische Websites Betrachter ein eindrucksvolles Bild. Die Suchfunktion von kreuz.net beispielsweise listet gar 724 Ergebnisse zum Suchbegriff "homo" auf. Viele Artikel lassen deutliche Rückschlüsse auf die Vorstellungen der Verfasser zu; in den Aufmacherfotos sind die gezeigten Homos stets bunt geschminkt und mit falschen Wimpern unterwegs. Da überrascht in einem Artikel auch nicht folgendes Beispiel: Eltern, die ihren Sohn immer den "liebsten kleinen Jungen der Welt" genannt hatten, sollen ihn auf diese Weise zu einem Schwulen erzogen haben. Der Verfasser geht noch weiter. Auch übermäßige körperliche Schamhaftigkeit in Gegenwart anderer Jungen würden Söhne schwul machen.

Seit dem 1. August 2001 steht lesbischen und schwulen Paaren die eingetragene Lebenspartnerschaft offen. Der Vatikan nahm dazu im Juli 2003 in einer Kongregation für die Glaubenslehre Stellung. In den "Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen" heißt es sinngemäß, dass Sex allein dem Zweck der Fortpflanzung diene. Sie stellt fest, dass Homosexuelle vielleicht nicht Schuld an ihrer Neigung tragen, spricht aber mit Blick auf die heilige Schrift von einer schweren Verirrung.

An dieser Stelle lohnt ein Blick über den Gartenzaun zur evangelischen Kirche: sie stellt in einer Publikation vom September 2002 Ehe und Familie als christliches Leitbild dar, bekräftigt aber auch: "Denjenigen homosexuell geprägten Menschen, die aufgrund ihrer Lebensgeschichte und Selbstwahrnehmung ihre homosexuelle Prägung als unveränderbar verstehen und nicht bereit sind, sexuell enthaltsam zu leben, ist zu einer vom Liebesgebot her gestalteten und darum ethisch verantworteten gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft zu raten."

Homosexuelle Priester möchte sich die katholische Kirche vom Leibe halten, erstmals formuliert wurde diese Bestimmung 1961 im Rahmen der damaligen Zulassungsregeln für Priester. Diese müssten in ihren menschlichen, sittlichen, geistlichen und intellektuellen Anlagen für diese Tätigkeit geeignet sein. Angesichts der damaligen Homophobie in der Gesellschaft passten Schwule sicherlich nicht in dieses Raster. "Drei Jahre kein Sex mit Männern" setzt eine erneute Fassung von August 2005 voraus.

Ob ihr es glaubt oder nicht: Die ständige Omnipräsenz der Homosexualität im Web macht mich direkt stutzig. Zwei Fragen müssen erlaubt sein: Setzt sich die katholische Kirche vielleicht endlich mit sich selbst auseinander? Ach ja, und: Kennt die katholische Kirche eigentlich auch Lesben?

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Weitere Quellen: dbk.de, publik-forum.de, kreuz.net, vatican.va, de.wikipedia.org, ekd.de, tagesschau.de Bilder: fotolia.de