Die letzte Entscheidung

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Die letzte Entscheidung
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Selbstmord, Freitod, Suizid, Selbsttötung – jedes dieser Worte beschreibt eine "simple" Wahl für oft unlösbar scheinende Probleme: die freiwillige Entscheidung, seinem Leben ein Ende zu setzen. Doch Hilfe ist immer möglich.

Asher Brown, 13 Jahre, Buddhist und schwul, nahm sich das Leben, nachdem er ständigen Hänseleien seiner Mitschüler ausgesetzt war. Nun wird sich wohl die Staatsanwaltschaft mit dem Lebensende des Jungen aus dem US-Bundesstaat Texas beschäftigen.

Nach Aussage der Eltern waren Ashers Religion als auch seine sexuelle Orientierung der Grund für die seelischen Grausamkeiten, die ihm seine Mitschüler zufügten. Der Vorwurf der Eltern: Mehrfach hätten sie sich an die Schule gewandt, aber alle Hilferufe seien von dieser unbeantwortet geblieben. "Was mein Kind durchmachen musste, ist auf gar keinen Fall normal gewesen", so Ashers Mutter. "Es war erbarmungslos. Es ging Tag für Tag und niemand hat etwas unternommen. Und nun ist mein Sohn tot."

Eltern wollten ihn unterstützen

Zu seiner Homosexualität, welche die Eltern schon länger vermuteten, habe sich Asher am Tage seines Todes bekannt. "Ich hab ihm gesagt, 'du weißt, dass deine Mutter und ich dich unterstützten' und dass wir darüber reden würden, wenn ich heimkäme", sagte Ashers Stiefvater. Bis zu seiner Rückkehr von der Arbeit, habe sich Asher aber schon das Leben genommen.

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Ashers Fall ist aber nur einer von vielen sowohl in Amerika als auch auf unserem Kontinent. Dabei gehört Selbstmord mit zu den Tabuthemen unserer Gesellschaft. Schon die Bezeichnung sagt viel aus: Man tötet sich selbst. Die Gesellschaft verachtet diesen Schritt ohne dabei die Motive für diese Entscheidung zu berücksichtigen. Juristisch gesehen ist Selbstmord - auch Suizid genannt - in den meisten Ländern keine Straftat, zumal man bei einem erfolgreichen Freitod ohnehin nicht bestraft werden kann. Die meisten Religionen verbieten diesen Akt.

Experten unterscheiden hauptsächlich zwei Typen von Suizid. Beim ersten stirbt die Person, weil sie lebensnotwendige Dinge wie Essen und Trinken unterlässt. Beim zweiten Typ tötet man sich aktiv, was von der Einnahme von Medikamenten bis hin zum Sprung von der Brücke reichen kann.

In Europa ist Selbstmord die dritthäufigste Todesursache bei Jugendlichen, Studien zufolge hat mindestens jeder Zehnte bereits ernsthaft darüber nachgedacht. Seltsamerweise sind die Selbstmordraten in wohlhabenden Ländern (zum Beispiel auch in den EU-Ländern) höher als in ärmeren Ländern. Jungen sind gefährdeter als Mädchen, was möglicherweise daran liegt, dass Jungen mehr soziale Akzeptanz suchen. Genau allerdings weiß man das nicht, denn Forscher können oft nur Hypothesen aufstellen, da die Hintergründe der Tat meist selbst den Hinterbliebenen nicht ganz klar sind.

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Viele Fragen, keine Antworten

Wegen dieser Ungewissheit leiden die Angehörigen schwer. Die Tat bleibt ihnen unverständlich, sie machen sich selbst Vorwürfe, weil sie glauben, die Anzeichen nicht rechtzeitig bemerkt zu haben. Sie beginnen zu überlegen, weshalb sich der Mensch aus ihrer Mitte das Leben genommen hat. Es gibt so viele Fragen, aber niemanden, der sie zu beantworten vermag. Das kann auch zu einem gewissen Hass gegenüber dem Selbstmörder führen, der so viele Probleme hinterlässt.

Oft fällt es einer Gesellschaft schwer über ihre unangenehmen Seiten zu reden. Auch Selbstmord gehört zu diesen Tabuthemen. Schon die Bezeichnung sagt viel aus: Man tötet sich selbst. Die Gesellschaft verachtet diesen Schritt ohne dabei die Motive für diese Entscheidung zu berücksichtigen. Juristisch gesehen ist Selbstmord - auch Suizid genannt - in den meisten Ländern keine Straftat, zumal man bei einem erfolgreichen Freitod ohnehin nicht bestraft werden kann. Die meisten Religionen verbieten diesen Akt.

Motive für einen Suizid können sehr unterschiedlich sein. Menschen, die Selbstmord begehen, haben oft das Gefühl, versagt zu haben und ihre Mitmenschen enttäuscht zu haben. Oftmals haben sie ein sehr geringes Selbstbewusstsein, wodurch sie stärker von äußeren Umständen beeinflusst sind. Selbstmord wird fast nie einfach so aus einer Laune heraus begangen, die meisten Selbstmordgefährdeten leiden an schweren Depressionen und entschließen sich nach langen Überlegungen vielleicht zu diesem letzten Schritt. In anderen Fällen leiden Menschen an Behinderungen oder unheilbaren Krankheiten und sehen den Selbstmord als letzten Ausweg.

Fast jeder dritte Suizidversuch wird von jungen Lesben und Schwulen unternommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein schwuler Jugendlicher Selbstmord begeht, ist also statistisch gesehen vier bis sieben Mal höher als bei einem heterosexuellen Jugendlichen. Allerdings handelt es sich bei diesen Zahlen um Schätzungen, sind doch die Gründe des Suizids nicht immer bekannt. Studien zeigen aber genau in diese Richtung (dbna berichtete). Das erhöhte Risiko für schwule Jugendliche erklären Psychologen durch die Schwierigkeiten und Ängste, die mit einem Coming-out einhergehen: Ausgrenzung, Intoleranz, mangelndes Verständnis von Eltern und Freunden. Die Vorstellung einsam und ungeliebt zu sein ist für viele unerträglich.

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Hilfe leisten

Was kannst du tun, wenn du glaubst, dass ein Bekannter selbstmordgefährdet ist? Es ist schwierig, Betroffene darauf anzusprechen, weil diese sich zurückziehen und bei diesem Thema oft abblocken. Trotzdem solltest du versuchen, ein Gespräch zu führen, und ihm deutlich machen, dass er nicht allein ist. Sag ihm, dass du immer zu ihm halten wirst und ihn so akzeptierst wie er ist. Bei all der Unterstützung, die du selbst leisten kannst, ist ein Gang zum Psychotherapeuten oft unerlässlich. Trotzdem kann man niemanden zu einer Therapie zwingen. Der erste Schritt in diese Richtung kann nur vom Betroffenen selbst gemacht werden.

Wenn du merkst, dass du selbst häufig an Selbstmord denkst, solltest du dich nicht verschließen. Der Kontakt zu Freunden kann eine enorme Stütze sein. Im Notfall solltest du dich nicht schämen, psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dies ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Mut, sich selbst einem anderen mitzuteilen.

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