Die letzte Entscheidung

Redaktion Von Redaktion

Fast jeder dritte Selbstmordversuch wird von jungen Lesben und Schwulen unternommen. Was treibt einen Menschen in den Selbstmord, gibt es Anzeichen und wie kannst du einem Bekannten oder dir selbst helfen?

Oft fällt es einer Gesellschaft schwer über ihre unangenehmen Seiten zu reden. Auch Selbstmord gehört zu diesen Tabuthemen. Schon die Bezeichnung sagt viel aus: Man tötet sich selbst. Die Gesellschaft verachtet diesen Schritt ohne dabei die Motive für diese Entscheidung zu berücksichtigen. Juristisch gesehen ist Selbstmord - auch Suizid genannt - in den meisten Ländern keine Straftat, zumal man bei einem erfolgreichen Freitod ohnehin nicht bestraft werden kann. Die meisten Religionen verbieten diesen Akt.

Experten unterscheiden hauptsächlich zwei Typen von Suizid. Beim ersten stirbt die Person, weil sie lebensnotwendige Dinge wie Essen und Trinken unterlässt. Beim zweiten Typ tötet man sich aktiv, was von der Einnahme von Medikamenten bis hin zum Sprung von der Brücke reichen kann.

In Europa ist Selbstmord die dritthäufigste Todesursache bei Jugendlichen, Studien zufolge hat mindestens jeder Zehnte bereits ernsthaft darüber nachgedacht. Seltsamerweise sind die Selbstmordraten in wohlhabenden Ländern (zum Beispiel auch in den EU-Ländern) höher als in ärmeren Ländern. Jungen sind gefährdeter als Mädchen, was möglicherweise daran liegt, dass Jungen mehr soziale Akzeptanz suchen. Genau allerdings weiß man das nicht, denn Forscher können oft nur Hypothesen aufstellen, da die Hintergründe der Tat meist selbst den Hinterbliebenen nicht ganz klar sind.

Viele Fragen, keine Antworten
 
Wegen dieser Ungewissheit leiden die Angehörigen schwer. Die Tat bleibt ihnen unverständlich, sie machen sich selbst Vorwürfe, weil sie glauben, die Anzeichen nicht rechtzeitig bemerkt zu haben. Sie beginnen zu überlegen, weshalb sich der Mensch aus ihrer Mitte das Leben genommen hat. Es gibt so viele Fragen, aber niemanden, der sie zu beantworten vermag. Das  kann auch zu einem gewissen Hass gegenüber dem Selbstmörder führen, der so viele Probleme hinterlässt.

Motive für einen Suizid können sehr unterschiedlich sein. Menschen, die Selbstmord begehen, haben oft das Gefühl, versagt zu haben und ihre Mitmenschen enttäuscht zu haben. Oftmals haben sie ein sehr geringes Selbstbewusstsein, wodurch sie stärker von äußeren Umständen beeinflusst sind. Selbstmord wird fast nie einfach so aus einer Laune heraus begangen, die meisten Selbstmordgefährdeten leiden an schweren Depressionen und entschließen sich nach langen Überlegungen vielleicht zu diesem letzten Schritt. In anderen Fällen leiden Menschen an Behinderungen oder unheilbaren Krankheiten und sehen den Selbstmord als letzten Ausweg.

Fast jeder dritte Suizidversuch wird von jungen Lesben und Schwulen unternommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein schwuler Jugendlicher Selbstmord begeht, ist also statistisch gesehen 4 bis 7 Mal höher als bei einem heterosexuellen Jugendlichen. Allerdings handelt es sich bei diesen Zahlen um Schätzungen, sind doch die Gründe des Suizids nicht immer bekannt. Das erhöhte Risiko für schwule Jugendliche erklären Psychologen durch die Schwierigkeiten und Ängste, die mit einem Coming-out einhergehen: Ausgrenzung, Intoleranz, mangelndes Verständnis von Eltern und Freunden. Die Vorstellung einsam und ungeliebt zu sein ist für viele unerträglich.

Hilfe leisten
 
Was kannst du tun, wenn du glaubst, dass ein Bekannter selbstmordgefährdet ist? Es ist schwierig, Betroffene darauf anzusprechen, weil diese sich zurückziehen und bei diesem Thema oft abblocken. Trotzdem solltest du versuchen, ein Gespräch zu führen, und ihm deutlich machen, dass er nicht allein ist. Sag ihm, dass du immer zu ihm halten wirst und ihn so akzeptierst wie er ist. Bei all der Unterstützung, die du selbst leisten kannst, ist ein Gang zum Psychotherapeuten oft unerlässlich. Trotzdem kann man niemanden zu einer Therapie zwingen. Der erste Schritt in diese Richtung kann nur vom Betroffenen selbst gemacht werden.
 
Wenn du merkst, dass du selbst häufig an Selbstmord denkst, solltest du dich nicht verschließen. Der Kontakt zu Freunden kann eine enorme Stütze sein. Im Notfall solltest du dich nicht schämen, psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dies ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Mut, sich selbst einem anderen mitzuteilen. Eine erste Anlaufstelle in Notsituationen bildet in Deutschland die schwule Notfallnummer 19 44 6.

 

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