Die Verdammten

Falk Steinborn Von Falk Steinborn
Die Verdammten
Screenshot YouTube/OsloFreedomForum

Todesstrafe für Homosexuelle - ja oder nein? Seit drei Jahren diskutiert Uganda über ein Gesetz, dass das Leben von Schwulen und Lesben bedroht. Auf internationalen Druck war die ugandische Regierung immer wieder davon abgerückt. Aber das Leid von Schwulen und Lesben geht weiter und hat bereits Opfer gefordert.

"100 Fotos von Ugandas Top-Homos", titelte die Zeitung Rolling-Stone vor anderthalb Jahren. Darunter veröffentlichte sie Bilder von Schwulen und Lesben, erfundene Geschichten über Orgien und Vergehen an Minderjährigen, ausgedachte Zitate - und die Adressen der Abgebildeten.

Eine der Frauen auf den Fotos ist Kasha Jacqueline Nabagesera. Sie hat "Freedom and Roam" gegründet, die einzige Lesbenorganisation Ugandas. Dass sie ihr Foto in der Zeitung erschienen ist, erfuhr sie per E-Mail. Noch am selben Abend kaufte sie eine Ausgabe und schrie: "Genug ist genug. Damit können Sie nicht davon kommen", wie sie im Magazin "Dispatch" schreibt. Danach schwieg sie, aus Angst sich zu wehren.

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Uganda hat in den vergangenen Jahren für viele Schlagzeilen wegen seines harten Vorgehens gegen Schwule und Lesben gesorgt. Er ist aber nicht der einzige afrikanische Staat, indem Homosexualität verboten ist. Von insgesamt 53 Ländern bestrafen 36 gleichgeschlechtlichen Sex, unter anderem sogar mit dem Tode wie etwa im Sudan und Nigeria.

"Das ist krank und das wollen wir nicht"

Homosexualität wird in Afrika oft als ein Übel angesehen, dass von den Kolonisten kommt. "Es gibt den Glauben, dass Homosexualität eine dekadente, bürgerliche Erfindung des Westens ist, die Afrika von Weißen aufgedrängt wurde", schreibt der Soziologe Stephen Murray in einer Studie über Homosexualität in Afrika. Ebenso existiere aber auch die Annahme, das Schwulsein durch islamische Sklavenhändler verbreitet wurde.

Die Vorbehalte gegen Homosexuelle -vor allem Männer- werden zudem durch muslimische wie auch christliche Vertreter geschürt. Der Pastor Martin Simba von der nationalen Arbeitsgruppe gegen Homosexualität in Uganda erklärt bei seinen Auftritten immer wieder die Perversion vom schwulen Sex, z.B. das Spiel mit Kot in der Fetischszene. "Das ist krank und das wollen wir nicht", sagt Simba in einem YouTube-Video. "Will das Obama als Menschenrecht nach Afrika bringen: Kacke zu essen? Mit seinen Worten bringt Simba seine Zuhörer zum Schaudern.

Screenshot YouTube/Lesbiangayvideos
David Kato: Als Aktivist kämpfte er für die Rechte von Schwulen und Lesben in Uganda.

David Kato: Als Aktivist kämpfte er für die Rechte von Schwulen und Lesben in Uganda.

Homosexualität mit langer Tradition

Aber es gibt auch eine Kehrseite. In einigen afrikanischen Stämmen wird Homosexualität seit Jahrhunderten in unterschiedlichen Formen gelebt. In Südäthopien etwa wechseln Schwule ihr soziales Geschlecht. Als sogenannte Ashtime kleiden sie sich als Frauen, kümmern sie sich um das Haus und haben im Gegenzug Sex mit Männern. In anderen Stämmen gilt der Analverkehr unter Männern als gesundheitsfördernd. Und auch lesbische Frauen können in einigen Stämmen eheähnliche Beziehungen eingehen oft sogar leichter als Männer.

Doch trotz dieser ursprünglichen Formen von Homosexualität leiden Schwule und Lesben in ganz Afrika egal ob im muslimischen Norden, christlichen Westen oder in Südafrika. Das Leben in der Stadt, das Internet oder der gesellschaftliche Wandel sind für sie nur ein kleiner Hoffnungsschimmer ebenso wie der Druck der internationalen Öffentlichkeit.

Die Lesbenaktivistin Kasha Jacqueline hat übrigens gegen die Berichterstattung der Zeitung Rolling Stone geklagt und bekam vom Gericht Recht. Das ist ein positives Zeichen für Schwule und Lesben in Uganda. Ihr Kollege und Schwulenaktivist David Kato wurde trotzdem zwei Wochen später in seinem Haus ermordert. Seine Adresse stand auch in der Zeitung.

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Weitere Quellen: YouTube, OsloFreedomForum, LESBIANGAYVIDEOS