Die WM zu Gast bei Freunden

Redaktion Von Redaktion

Das Bier ist kalt, die Chips liegen griffbereit auf dem kleinen Beistelltischchen. Ich habe mich in mein mittlerweile etwas knappes Deutschlandtrikot geschmissen und mir so eine lustige kleine Tröte um den Hals gehängt. Mögen die Spiele beginnen!

Das Großereignis des Jahres beginnt. Ganz viele Männer rennen einem kleinen Ball hinterher und wollen ihn in das Tor der gegnerischen Mannschaft schießen. Wie man daraus ein solches Event wie die Fußball-WM machen kann, das fragt man am besten die FIFA.

Das Bier ist kalt, die Chips liegen griffbereit auf dem kleinen Beistelltischchen. Ich habe mich in mein mittlerweile etwas knappes Deutschlandtrikot geschmissen, mir die Wangen schwarz, rot und gold angemalt und so eine lustige kleine Tröte um den Hals gehängt. Mögen die Spiele beginnen.

Die "Wade der Nation" muss leider ausfallen, aber Klinsi hat natürlich mehr als ein Ass im Ärmel. Oliver Bierhoff, der aussieht, als wäre er der WashnGo-Reklame entsprungen, setzt sein breites Kinderschokoladegesicht auf und freut sich. Was Angela Merkel wohl jetzt gerade macht?

Ich verstehe diesen ganzen Trubel um die WM-Karten nicht. Ich könnte jetzt auch in einem Stadion stehen, rund um mich Tausende und Abertausende von Betrunkenen. Ich würde mein eigenes Wort vor lauter Olé-Olé nicht verstehen. Und sehen würde ich auch kaum was, denn das linke Auge schwillt nach dem Ellbogencheck, den ich am Eingang abbekommen habe, immer weiter zu. Der Blick des rechten Auges wird durch herumwirbelndes Toilettenpapier, Fahnen und Qualm getrübt.

Da lobe ich mir doch die mundgerechte Fernsehübertragung. Immer aufs Klo, wenn man möchte. Das Risiko, dass man ein Tor verpasst, ist sowieso gering. Man muss den Ton nur richtig laut drehen, dann ist es doch fast als sei man im Stadion.

Deutschland, Deutschland! Als Fußballfan muss man ja aufpassen, dass man nicht als Nationalist abgestempelt wird. Ich freue mich auch über ein brasilianisches Tor. Die können so toll mit dem Ball umgehen, die Ronaldos und wie sie alle heißen.

Jetzt können unsere Jungs also endlich mal zeigen, was sie so drauf haben. Prinz Poldi wird uns wenn schon nicht mit geistreichen Kommentaren vor Spielbeginn und nach Spielebene wenigstens mit Torgefährlichkeit erfreuen. Das hoffen wir zumindest. Und unser Jens Lehmann, der wird natürlich titanenhaft im Tor stehen und jedem Ball hinterher hechten, den die Abwehr durchgelassen hat.

Am Ende müssen wir uns ein bisschen Gesülze von Beckenbauer, Netzer und Konsorten anhören, dann wird gefeiert oder getrauert. Und irgendwann ist dann alles wieder vorbei. Man denkt wieder an die wirklich wichtigen Fragen im Leben: Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Und wer von euch hat auch die Hanuta-Aufkleber gesammelt?

Ich schaue mir jetzt das Spiel an. Und beim nächsten Mal reden wir dann drüber. Kann doch so schwierig gar nicht sein. Die WM im eigenen Land, das erlebt man nur alle Jubeljahre mal. Also, seien wir der Welt Freunde. Gute Freunde kann niemand trennen...

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Weitere Quellen: Bilder: photocase.com