Diskriminierung erhöht das HIV-Risiko

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Diskriminierung erhöht das HIV-Risiko
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Diskriminierungen machen nicht nur psychisch krank, sie erhöhen auch das Risiko einer HIV-Infektion: Wer wegen Mobbing negativ über seine Sexualität denkt, hat öfter Sex ohne Kondom. Erschreckend: Besonders Jugendliche sind betroffen.

Viele Schwule erleben Diskriminierung, Ausgrenzung und Ablehnung. Das macht psychisch krank und kann zu Depressionen führen. Es ist bekannt, dass LGBTIQ*-Jugendliche ein vielfach höheres Selbstmordrisiko haben als gleichaltrige Heteros.

Doch Homophobie beeinflusst nicht nur die Psyche. Die am Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie (IDAHOT) vorgestellte Studie "Schwule Männer und HIV/Aids" (SMHA) zeigt, dass Diskriminierungen auch das HIV-Risiko erhöhen.

Viele denken negativ über ihre eigene Sexualität

15 Prozent der Studienteilnehmer hatten in den zwölf Monaten vor der Befragung verbale oder körperliche Gewalt erfahren. Bei den 16-19-Jährigen waren es sogar 37 Prozent.

Das wirkt sich negativ aufs Selbstbewusstsein aus. Drei Viertel der Befragten haben negative Einstellungen gegenüber Homosexualität verinnerlicht, mehr als ein Viertel in hohem Ausmaß. Je stärker dies der Fall ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sie unter psychischen Problemen wie Depressionen und Angsterkrankungen leiden.

Wer sich nicht akzeptiert, lässt sich weniger oft testen

Befragungsteilnehmer mit einer ängstlich-depressiven Symptomatik berichten deutlich häufiger von ungeschütztem Analverkehr als andere (rund 50 gegenüber 40 Prozent) und informierten sich auch sehr viel seltener über das Thema. Die psychische Belastung durch Diskriminierung führt außerdem bei nicht wenigen Männern zu Drogenkonsum, der das Schutzverhalten ebenfalls schwächen kann.

Gleichzeitig beeinflusst Diskriminierung das Testverhalten: Von den Befragten, die in hohem Maße negative Einstellungen gegenüber ihrer Sexualität verinnerlicht hatten, hatten sich 69 Prozent noch nie oder nur vor längerer Zeit testen lassen (im Vergleich zu 54 Prozent bei denen mit wenig negativen Einstellungen).

Die Lösung: Mehr Aufklärung

Sowohl Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen als auch psychische Probleme betreffen junge Männer in besonderem Maße. Dies trägt möglicherweise dazu bei, dass sie häufiger Risiken eingehen. Ulf Hentschke-Kristal von der Deutschen-Aidshilfe fordert deshalb mehr Aufklärung und Unterstützung sexueller Minderheiten schon in der Schule und Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen.

Die Untersuchung zeigt insgesamt, dass das Schutzverhalten schwuler und bisexueller Männer weitgehend stabil ist. Vor allem in Beziehungen gehen aber teilweise mehr Männer Risiken ein, oft ohne sich dessen bewusst zu sein.

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