Doch nicht mehr Zuschüsse für "Knutschfleck" in Aachen

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Doch nicht mehr Zuschüsse für "Knutschfleck" in Aachen
Knutschfleck e. V.

Obwohl dem LGBTIQ*-Jugendzentrum bereits mehr Geld in Aussicht gestellt wurde, hat der Finanzausschuss die Erhöhung gestrichen. Der Verein kann das nicht verstehen – und fragt, was das mit Gleichbehandlung zu tun hat.

Jeden Donnerstagnachmittag ist das Jugendzentrum Knutschfleck in Aachen geöffnet.  25 bis 40 junge Menschen ob schwul, lesbisch, bi, trans*, queer, unentschieden oder unsicher besuchen das Jugendzentrum an der Jakobstraße jedes Mal.

"Die Zahl hat sich in den letzten Jahren verdreifacht", sagt Andreas Sommer, Gründungsmitglied des Trägervereins. "Und der Treff hat sich strukturell komplett verändert." So kommen immer mehr jüngere Menschen von 14 bis 17 sowie Jugendliche aus sogenannten bildungsfernen Schichten.

Verein forderte erneut halbe Stelle

Auch das Thema Transgender sei sehr groß in den letzten Jahren, dazu queere Geflüchtete. "Der Beratungsbedarf ist sehr groß", fasst Andreas Sommer die Lage zusammen. "Wir können das auch mit ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern nicht mehr auffangen."

Deshalb kann er nicht verstehen, dass die Stadt Aachen dem Knutschfleck nicht mehr Geld gibt. Aktuell kann gerade ein Angestellter auf 400-Euro-Basis für sieben Stunden pro Woche beschäftigt werden. Deshalb hat der Verein wie schon im Vorjahr die Kosten (19.400 Euro im Jahr) für eine halbe Stelle beantragt.

"Diese Entscheidung ist argumentativ und rational nicht nachzuvollziehen"

Der Jugendhilfeausschuss habe dies einstimmig unterstützt, sagt Andreas Sommer im Gespräch mit dbna. Doch der Finanzausschuss, in dem die SPD und CDU eine Koalition bilden, hat den Antrag am Dienstag abgelehnt. Die Begründung: Allen Vereinen der offenen Jugendarbeit wurde nur eine zweiprozentige Erhöhung zugesagt. Dabei hat die Kämmerin der Stadt das Geld für das Jugendzentrum bereits freigegeben.

 "Diese Entscheidung ist argumentativ und rational nicht nachzuvollziehen", sagt Andreas Sommer. Denn das Knutschfleck ist Teil des Jugendhilfeplans der Stadt. Darin ist festgelegt, dass das LGBTIQ*-Jugendzentrum bestimmte Aufgaben für die Stadt erledigt. "Aber wir kriegen gar nicht das Geld dazu, das verantwortungsvoll zu tun", beklagt er.

Schock beim Jugendamt

Besonders wundert sich Andreas Sommer, der vor über 20 Jahren das Knutschfleck mitgegründet hat, weil alle Parteien mit Ausnahme der AfD die Arbeit loben und wertschätzen. "Die Stadt schmückt sich sogar damit, so ein Jugendzentrum zu haben."

Als die fürs Knutschfleck zuständige Mitarbeiterin des Jugendamtes von der Entscheidung gehört habe, war sie laut Andreas Sommer geschockt. "So etwas habe sie in ihren 30 Jahren Berufserfahrung noch nie erlebt."

"Knutschfleck" bekommt im Vergleich wenig Geld

Doch der Verein gibt nicht auf. Auch für 2018 wird er eine halbe Stelle beantragen. Außerdem hat das Knutschfleck durchaus Erfolge aus dem letzten Jahr zu verzeichnen: So sei eine Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen für die Renovierung der Räume zustande gekommen.

Dennoch fragt sich auch Andreas Sommer so langsam, weshalb die Stadt den immer wichtiger werdenden Treffpunkt für LGBTIQ*-Jugendliche nicht stärker unterstützt. "Im Vergleich zu anderen Jugendhilfeeinrichtungen bekommen wir einen Bruchteil der Gelder. Was hat das noch mit Gleichbehandlung zu tun?" 

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