Otto-Meinecke wurde 1942 im Konzentrationslager erschossen. Der Grund: Er war schwul. Jetzt benennt die Stadt Dortmund eine Straße nach ihm. Das ist in Deutschland bisher einmalig.

Die Familie von Otto Meinecke, geboren 1880, zog von Witten nach Dortmund, als der Sohn vier Jahre alt war. Später übernahm er die Feilen-Fabrik seines Vaters. Bis 1942, als er ins Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt wurde. Häftlingsnummer: 42857. Er galt als "BV175", als Berufsverbrecher nach Paragraf 175, der Homosexualität verboten hat.

Otto Meinecke starb am 13. Juli 1942 im Alter von 61 Jahren. Die Sterbeurkunde des Standesamtes Oranienburg nennt als Todesursache "Kopfschuss bei Fluchtversuch. Dahinter verbarg sich eine bei der SS beliebte Mordmethode: Die KZ-Wachmannschaften inszenierten unter verschiedensten Vorwänden die gezielte Tötung von Gefangenen. Im Sommer 1942 starben bei einer Mordaktion gegen Homosexuelle mindestens 95 namentlich bekannte Männer.

Dortmunder U ist Wahrzeichen der Stadt

Jetzt, fast 75 Jahre nach Meineckes Tod, benennt die Stadt Dortmund eine Straße nach ihm. Das ist einer Initiative des Runden Tisches zur Förderung der Emanzipation und Akzeptanz von Lesben, Schwulen und Transidenten in Dortmund sowie dem Verein Slado zu verdanken. Am 18. März wird die Straße offiziell eingeweiht.

Slado hat verschiedene Bezirksvertretungen in Dortmund angeschrieben. Die Bezirksvertretung Innenstadt West hat diesen Vorschlag aufgegriffen und beschlossen, die Straße hinter dem Dortmunder U nach Otto Meinecke zu benennen. Das Hochhaus Dortmunder U beherbergt seit 2007 verschiedene Museen.

Straße bisher einmalig in Deutschland

"Wir freuen uns insbesondere, dass damit Meinecke und die Otto-Meinecke-Straße auch stellvertretend stehen für die Erinnerung an viele andere homosexuelle Männer, die während der NS-Zeit drangsaliert und/oder getötet wurden", sagt Frank Siekmann vom Verein Slado.

Bereits seit 2012 liegt vor dem ehemaligen Wohnhaus in der Dortmunder Innenstadt Meineckes ein Stolperstein, der an sein Schicksal erinnert. Eine Straße, die an ein schwules NS-Opfer erinnert, sei laut Slado jedoch bisher einmalig in Deutschland.

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Weitere Quellen: Wikimedia/Lucas Kaufmann