Dreht sich alles nur um Sex?

Redaktion Von Redaktion
Dreht sich alles nur um Sex?
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Die bekannte schwule TV-Serie "Queer as Folk" aus Amerika beginnt mit den Worten "Eins müsst ihr wissen: Es dreht sich alles nur um Sex". Tut es das wirklich? Wirkt doch eigentlich gar nicht so. Oder doch? Alexander Drößler unternimmt einen Streifzug durch die schwule Welt und wundert sich über seine Erkenntnisse.

Die bekannte schwule TV-Serie "Queer as Folk" aus Amerika beginnt mit den Worten "Eins müsst ihr wissen: Es dreht sich alles nur um Sex". Tut es das wirklich? Wirkt doch eigentlich gar nicht so. Oder doch? Alexander Drößler unternimmt einen Streifzug durch die schwule Welt und wundert sich über seine Erkenntnisse.

Früh übt sich

Beginnenwir an dem Punkt, an dem alles beginnt. Die Erkenntnis "Ich binschwul!". Meist erfolgt sie im zarten pubertären Alter. Ein Alter, indem die Werte- und Moralvorstellungen der elterlichen Fürsorge nochOberhand haben.

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In der Jugend bestimmt oft nur die Optik die Partnerwahl.

In der Jugend bestimmt oft nur die Optik die Partnerwahl.

Der sogenannte Youngstersucht somit nach der großen Liebe. Die Kriterien dafür? Einfach gutesAussehen. Ein paar Treffen später hat er seinen Traumprinzen gefunden.Zumindest für die nächsten 4-8 Wochen. Dann ist der nächste dran. Sichvon Älteren Tipps geben zu lassen vermeidet der Youngster, denn er istdie Weisheit in Person. Denkt er. Zu erkennen ist er (sofernvolljährig) an seinem exzessiven Tanzverhalten in der Disco.

Der Seriöseist schon einen Schritt weiter. Er ist sich seiner Triebe bewusst undwill diese ausleben. Ob in einer Beziehung oder nicht ist ihm egal.Nicht egal ist ihm jedoch sein Ruf. Man(n) darf in der Szeneschließlich nicht als Schlampe dastehen. Um das zu vermeiden, hat ermeist ein einschlägiges Zweitprofil im Internet, in dem er seineIdentität zunächst geheim hält. Und trifft dabei auf vieleArtverwandte. Trotzdem gilt: Diskretion ist das oberste Credo. DieFolgen in der seiner Wahrnehmung nach so biederen Szene sindschließlich nicht auszudenken.

Nie und nimmer schwul, das ist der Heterosexuelle.Wäre ja noch schöner. Er hat nur gerne mal ein männlichesGeschlechtsteil in seinen Öffnungen. Oder schiebt seines in dieÖffnungen anderer Jungs. Allerdings ist er ganz und gar "heterolike",so sagt er von sich. Auf Tucken steht er daher auch nicht. In der Szeneist er nicht anzutreffen,  höchstens im Internet. Dort hat er aberkeine (Gesichts)Bilder von sich im Profil. Strittig ist sein Motiv:Angst vor Enttarnung oder steht er einfach nicht zu sich selbst?

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Manche Männer gestehen sich erst im fortgeschrittenen Alter ein, schwul oder bi zu sein.

Manche Männer gestehen sich erst im fortgeschrittenen Alter ein, schwul oder bi zu sein.

Auch im Alter noch dabei

Der einsame Familienvaterhat ein Problem: Er konnte sich in seiner Jugend nie richtig ausleben.Möglicherweise beeinflusst durch die geltende Prüderie während seinerJugend, hat er sich für die klassische Ehe zwischen Mann und Frauentschieden. Seine Vorliebe hat er aber nie abgelegt. Heimlich geht erdeshalb auf Jungensuche. Je jünger, desto besser. Sein Lockmittel?Geld. Damit meint er, die paar Jahre Altersunterschied ausgleichen zukönnen und doch noch zu seinem Spaß zu kommen. Nicht zu Unrecht trägter daher in Szenekreisen auch den Spitznamen "Sugardaddy".

Verwechseln darf man ihn aber auf keinen Fall mit dem Realitätsfremden:Er hält sich trotz seines betagten Alters noch für unheimlich attraktivund bombardiert die Jugend mit Anmachen allerlei Art. Allerdings imInternet. Auf Partys ist er nicht zu finden, da könnte man ihn jasofort entlarven. Im Internet hingegen kann er sich so geben, wie ersein will: Jung und nicht mehr jugendfrei. Auch er hat einenSpitznamen: Faker. Meist erkennt man ihn an einschlägigen Bildern inseinem Profil, die er als die Seinen ausgibt. Meist stammen sie jedochvon amerikanischen Seiten für Über-18-Jährige.

Es scheinttatsächlich auch Menschen zu geben, die ihr ganzes Leben in derCommunity ihres Vertrauens ausbreiten. Lange, philosophische Texte überden Sinn oder Nichtsinn des Lebens sind das Fachgebiet des Intellektuellen.Er besitzt die Fähigkeit, durch gezielte Analyse des Profils und desChatverhalten seines Gegenübers dessen Charaktereigenschaften soforteinschätzen zu können. Dadurch wirkt er oftmals arrogant, was ihm abernichts ausmacht.

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Sex, Sex, Sex ... für den notorischen Sexsucher der einzige Antrieb.

Sex, Sex, Sex ... für den notorischen Sexsucher der einzige Antrieb.

Viele unterschiedliche Lebensarten und ein Ziel

Dem notorischen Sexsucherist alles egal. Kein langes Vorgeplänkel, keine unnötigen Chats: Erwill nur das Eine. Zielstrebig baggert er alles an, was nicht schnellgenug flüchten kann. Eines muss man ihm dabei lassen, er ist ehrlich.Denn die große Liebe braucht er niemandem vorspielen, die hat er meistschon gefunden. Um ihn möglichst lange zu behalten, hat er sich mitseinem Freund auf eine offene Beziehung geeinigt. Trotzdem wird er vonseinem Umfeld eher als sonderbar wahrgenommen.

Einer fehlt noch: Der Liebende.Konservativ ist das, was einer passenden Beschreibung am Ehestennahekommen würde. Er hat keine Sexdates, so etwas Unmoralisches kämeihm nie in den Sinn. Stattdessen braucht er Jahre, um seinen Mr. Rightauszusuchen, mit dem er dann sonntags bei Muttern zu Kaffee und Kuchenbeisammen sitzt und glücklich ist. Sofern er ihn denn irgendwannfindet. Wenn nicht? Nun ja

Ob jung, ob alt; ob Youngster oderSugardaddy. Trotz verschiedenster Typen lässt sich eines immer wiederfeststellen: Sie alle suchen nach Liebe und Zuneigung. Wenn sie auchvon jedem auf eine andere Art und Weise geäußert wird. Oder?

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