Dürfen Schwule bald Blut spenden?

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Dürfen Schwule bald Blut spenden?
Gina Sanders/imagedirekt.de

Wer schwul ist, darf nicht zur Ader gelassen werden: Von der Blutspende sind Homosexuelle ausgeschlossen. Das könnte sich jedoch bald ändern. Die deutsche Ärzteschaft setzt sich für eine Lockerung des Verbotes ein und möchte diese auch auf EU-Ebene durchsetzen.

Hohes Übertragungsrisiko führt zum Ausschluss

Es ist ein umstrittenes Verbot: Männer, die Sex mit anderen Männern haben, dürfen kein Blut spenden. Diese Regelung wird mit dem erhöhten Übertragungsrisiko für Infektionskrankheiten wie HIV begründet und trifft als solche auch Prostituierte und Menschen, die mit vielen verschiedenen Partnern ins Bett gehen. Ein simpler Fragebogen entscheidet über einen eventuellen Ausschluss. Er muss noch vor der Spende ausgefüllt werden - natürlich gewissenhaft.

Kontroverse Diskussion kann Tabu nicht brechen

Mit dem pauschalen Ausschluss homosexueller Männer von der Blutspende soll der Schutz vor einer schweren Infektion verbessert werden. Die gängige Praxis hat zumindest psychologische Vorteile: Viele Menschen haben nur so das Gefühl, mit der Blutspende auf der sicheren Seite zu sein. Für andere wiederum stellt die derzeitige Regelung eine klare Diskriminierung dar, die sich auf eine ganze Personengruppe erstreckt.

Die in der Vergangenheit entbrannte Diskussion konnte allerdings nur einen Erfolg für sich verbuchen. Die ursprüngliche Formulierung "homo- und bisexuelle Männer" wurde aus dem Fragebogen entfernt. Dort heißt es nun "Männer, die mit Männern Sex haben". Auswirkungen auf das Verbot hatte diese Änderung nicht - es blieb weiter bestehen.

Lockerung des Verbots angestrebt

Sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene zeichnet sich ein Wandel ab. Viele Ärzte und Politiker fordern eine Änderung. Sie möchten vermeiden, dass Schwule durch typische Vorurteile von einer Blutspende ausgeschlossen werden, und fordern eine rationale Gefährdungsanalyse.

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Ein generelles Verbot für einzelne Personengruppen kritisieren sie stark. Als Vorbild für eine alternative Regelung werden Länder wie Südafrika, Neuseeland und Australien herangezogen. Hier können homosexuelle Männer sehr wohl zur Ader gelassen werden - Voraussetzung dafür aber ist, dass sie schon länger in einer festen Beziehung leben. Experten betrachten den Änderungswunsch allerdings mit Skepsis.

So lässt sich die Erkrankung selbst mit den besten Kontrollverfahren nicht immer gleich feststellen: Eine Neuinfektion kann in der Regel erst drei bis vier Wochen nach der Ansteckung aufgedeckt werden. Hier lauert ein enormes Risiko, denn die Gefahr einer HIV-Infektion ist bei Schwulen 100-fach höher als bei heterosexuellen Männern.

Änderung der Rechtslage derzeit nicht möglich

Blut ist ein knappes Gut: Es werden dringend Menschen benötigt, die zur Spende bereit sind. Dennoch ist eine Änderung der derzeit geltenden Richtlinie im Moment nicht möglich. Die europäische Rechtslage bereitet Schwierigkeiten.

Nun will sich die Bundesärztekammer an das Robert-Koch-Institut und die zuständigen Bundesoberbehörden wenden. Auch das Bundesgesundheitsministerium soll eingeschaltet werden. Vielleicht können Schwule ja nun doch bald spenden gehen.

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