Ehrenvolle Arbeit

Redaktion Von Redaktion

Junge Menschen gehören zu den gesellschaftlich besondersaktiven Gruppen. Fast 80 Prozent sind ehrenamtlich tätigoder wollen es werden. Doch warum machen sie sich überhaupt die Mühe,wenn es dafür kein Geld gibt und die Freizeit knapper wird?

Es ist halb zwölf abends. Gerade rattert die letzte Seite des Chemie-Protokolls für die Uni aus dem Drucker. Ich blättere durch die Webausgabe der taz. Plötzlich fällt mir ein Artikel ins Auge: 1.600 Menschen demonstrieren in Berlin gegen homophobe Gewalt. Das ist doch was für dbna. Also bleibe ich noch eine halbe Stunde wach und verfasse eine Meldung. Doch warum eigentlich? Warum opfere ich Freizeit, die ich genauso gut mit Fernsehen verbringen könnte?

Diese Frage kann ich für mich selbst beantworten: Weil ich will, dass junge Schwule weiterhin ein Forum und einen Anlaufpunkt wie dbna haben. Aber sie lässt sich auch in größerem Rahmen beantworten, immerhin sind mehr als ein Drittel der Deutschen über 14 Jahren ehrenamtlich engagiert als Jugendwart im Sportverein, als Kommunalpolitikerin, beim Vorlesen im Altenheim. Junge Menschen gehören dabei zu den am stärksten engagierten. Laut einer Untersuchung des Bundesfamilienministeriums von 2004 bekleiden 36 Prozent von ihnen ein Ehrenamt und weitere 43 Prozent wollen sich einbringen.

Die Motive, die Ehrenamtler bewegen, reichen von dem Anspruch, die Gesellschaft im Kleinen zu verändern, bis dazu, mit anderen Menschen zusammenzukommen. Doch es besteht auch eine Notwendigkeit sich einzubringen. Viele insbesondere soziale Dienste wären ohne Freiwillige gar nicht zu stemmen: Die Grünen Damen von der Evangelischen Krankenhaus-Hilfe besuchen einsame Menschen, Ehrenamtler sortieren Sachspenden für Hilfsorganisationen und verteilen Essen an Bedürftige bei den Tafeln.

Warum tue ich nichts?

Das Bundesfamilienministerium schätzt die Zahl der freiwillig Engagierten in Deutschland auf über 23 Millionen. Da drängt sich doch für alle anderen die Frage auf: Warum tue ich nichts? Denn der Einsatz für die Gesellschaft ist wichtig, die Möglichkeiten sind vielfältig. Doch für die meisten Engagierten ist etwas anderes von Bedeutung:Die Sache soll Spaß machen eine Erwartung, die für viele an oberster Stelle steht. Genau hier kannst du ansetzen, wenn du selbst aktiv werden willst. Du kannst dich fragen, was dir Spaß macht, das du auch für andere tun könntest. Oder dir von anderen berichten lassen, was ihnen an ihrem freiwilligen Engagement Freude bereitet.

"Es macht super viel Spaß, sich für andere einzusetzen", sagt Daniel Bär. Der 19-Jährige hat den Verein "Junge Medienmacher Köln e. V." gegründet und ist stellvertretender Vorsitzender der Jungen Presse Nordrhein-Westfalen. Doch spielen für ihn wie für viele andere Engagierte nicht nur selbstlose Motive eine Rolle. Er weiß, dass sein Einsatz sich auszahlt: "Ich bekomme dafür kein Geld, sondern Erfahrung und Wissen." Er glaubt, dass er auch etwas für sein späteres Berufsleben mitnehmen kann: "Ich habe gelernt zu vermitteln, was ich möchte."

Die passende Initiative suchen

Wenn du dich engagieren willst, sollte es dich nicht abschrecken, dass du damit nicht nur Bestätigung und Freude erfährst. "Ehrenamtliche Arbeit wird nicht immer anerkannt", sagt Daniel. Manchmal fällt es ihm schwer, Freunden zu vermitteln, warum er so viel Zeit mit der Vertretung von jungen Journalisten verbringt. Gelegenheit mit seinen Freunden auszugehen habe er aber trotzdem, sagt Daniel. Doch nicht nur das eigene Umfeld hat in manchen Fällen kein Verständnis für den Einsatz anderer.

Oftmals bleibt die Resonanz zurückhaltend, etwa wenn sich niemand für eine Spendenaktion interessiert, die man zuvor mühselig vorbereitet hat. In vielen Organisationen ist man mit festen Strukturen und alteingesessenen Mitgliedern konfrontiert, die erst von einer neuen Idee überzeugt werden müssen. Doch hier gilt es, nicht den Mut zu verlieren oder aber sich von vornherein die passende Initiative zu suchen. Helfen können dabei Freiwilligenagenturen, die es in vielen Kreisen und Städten gibt. Die Webseite diegesellschafter.de von der Aktion Mensch bietet eine Freiwilligendatenbank an. Aber auch Freunde und Bekannte können weiterhelfen, zumal sie besser wissen, was einem Spaß machen könnte.

Klein anfangen

Denn ohne Spaß bei der Sache bleibt man nicht lange am Ball. Apropos Ball im Sportverein gibts nebem dem Trainer und dem Kassenwart noch eine Menge anderer Dinge zu tun. So mancher Übungsleiter ist froh, wenn er sich bei der Vorbereitung des nächsten Turniers auf jemanden verlassen kann, der alles protokolliert. Es sind die kleinen Dinge, die den Einstieg für viele Freiwillige bahnen. Denn in einem überschaubaren Bereich sieht man leichter, was man geschafft hat. Das steigert die Motivation. Dann kann man sich auch über Feedback freuen, wie ich mich über diese Mail zu der Demo-Meldung bei dbna: "Ihr solltet viel öfter über sowas berichten."

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Weitere Quellen: Stas Perov, Dream-Emotion - Fotolia.com