Ein wichtiger Sieg!

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Ein wichtiger Sieg!
Andres Putting (EBU)

Conchita Wurst hat den Eurovision Song Contest gewonnen. Europa zeigt damit, dass es modern und tolerant ist.

Es ist nicht selbstverständlich, dass ein schwuler Mann mit Vollbart und in Frauenkleidern auf der fast schon heiligen Bühne des Eurovision Song Contests auftreten darf. Vor 70 Jahren hätte Tom Neuwirth, der Conchita Wurst verkörpert, noch in einem Konzentrationslager inhaftiert werden können. Der Paragraf 175, der sexuelle Handlungen zwischen Männern bestrafte, bestand in Deutschland bis 1994.

Wir befinden uns in einer Zeit des Wandels. Die Zeiten der Anpassung an gesellschaftliche Zwänge sind vorbei. Minderheiten stehen auf, fordern ihre Rechte ein aber nicht nur auf dem Papier. Es geht um gelebte Akzeptanz. Conchita Wurst ist dafür ein Paradebeispiel. Sie geht ihren Weg, den sie für richtig hält. Sie hat, wie jeder andere auch, das Recht, ihr Leben ganz nach ihrem Willen und Geschmack zu gestalten.

Genau für dieses Recht steht die österreichische Sängerin. Ihr Leben, ihr Verhalten, ihre Kleidung all das entspricht nicht der Norm. Ihr Sieg beim Grand Prix zeigt, dass Europa Fortschritte macht. Europa toleriert Lebensentwürfe, die nicht der Norm entsprechen. Nein, mehr noch: Europa feiert den atemberaubenden Song "Rise Like A Phoenix", jubelt über Conchita Wurst.

Ganz Europa? Aus Russland kommen beleidigende Töne. "Unsere Empörung ist grenzenlos, das ist das Ende Europas", sagte der nationalistische Abgeordnete Wladimir Schirinowski im russischen Fernsehen. Und weiter: "Da unten gibt es keine Frauen und Männer mehr, sondern stattdessen ein Es". Doch selbst aus Österreich selbst wurde Conchita im Vorfeld heftig beleidigt. "Wenn jemand nicht weiß, ob er ein Manderl oder ein Weiberl ist, dann gehört er eher zum Psychotherapeuten als zum Song Contest", sagte der österreichische Musiker und Kabarettist Alf Poier.

Jubel und Anerkennung auf der einen, Anfeindung und Beleidigung auf der anderen Seite. Jede gesellschaftliche Weiterentwicklung hatte seine Gegner. Frauen mussten hart darum kämpfen, Hosen tragen zu dürfen. Schwule und Lesben verlangen heute noch nach Gleichstellung.

Conchita Wurst ist mehr als die Kunstfigur eines schwulen Sängers. Sie ist kein peinlicher, bunter Paradiesvogel. Conchita ist Vorreiterin eines Wandels. Eine Veränderung, die allen ermöglichen wird, ihr Leben so zu gestalten, wie sie es wollen fernab von heteronormativen Zwängen und Einschränkungen.

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Weitere Quellen: Andres Putting (EBU)