Eiskalte Aussichten

Patrick Fina Von Patrick Fina

Benedikt XVI. heißt der neue Papst. Bekannt ist er für seinekonservative Weltanschauung und für seine starke Kritik an derHomosexualität. dbna wagt einen kleinen Ausblick auf ein Pontifikat,das zumindest für Schwule eiskalt wird.

WeißerRauch über Rom, oder ist er doch schwarz, der Rauch? Wirklich einig warman sich nicht. Weiß, sagte man bei der einen Nachrichtenagentur, dieandere  bestand aber darauf dass es schwarzer Rauch sei. Selbst imVatikan war sich niemand sicher welche Farbe der Rauch nun hat, der ausder Sixtinischen Kapelle strömte und sich den Weg Richtung römischenHimmel bahnte. Ein wirres hin- und her der Meldungen, die totaleVerwirrung auch auf dem Petersplatz im Vatikan und dann die erlösendenKlänge: die Glocken. Also war es doch weißer Rauch, der da seit einigenMinuten die Aufmerksamkeit der Katholiken weltweit auf sich zog. Mitden Glocken kam die Erkenntnis: man muss das uralte Wahlsystem mit demRauch noch mal überdenken. Und außerdem haben wir einen neuen Papst. Jubel auf dem Petersplatz, unkoordiniertes Gerede auf allenFernsehsendern. Nach nur vier oder fünf Wahlgängen war es schon soweit, damit hatte niemand gerechnet.

Man stand nun also vor vollendetenTatsachen, und zwar eine ganze Weile bis der chilenische Kardinal JorgeArturo Medina Estevez die Worte sprach, auf die jeder wartete: "Habemuspapam", auf deutsch "Wir haben einen Papst." Sein Name: JosephRatzinger. Seine Herkunft: Deutschland. Sein Amtsname: Benedikt XVI.Und seine ersten Worte im Amt: "Liebe Brüder und Schwestern, nach demgroßartigen Papst Johannes Paul II. haben die Herren Kardinäle mich,einen einfachen, demütigen Arbeiter im Weinberg des Herrn zum Dienerder Kirche gewählt. Mich tröstet, dass der Herr auch mit unzureichendenMitteln regieren und arbeiten kann. Vor allem vertraue ich mich EuremGebet an. In der Freude des auferstandenen Herrn gehen wir voran. DerHerr wird uns helfen. Und Maria, seine Mutter, wird uns helfen. VielenDank."

 Ratzinger ist der erste Deutsche auf dem Stuhl Petri seit 1523. «GanzBayern ist in großer Freude über die Wahl des neuen Papstes», erklärteEdmund Stoiber (CSU). Es sei «ein einmaliges und historischesErlebnis», dass nach über 400 Jahren wieder ein Deutscher zum Papstgewählt worden sei. Stoiber wird nicht der einzige Deutsche sein, dersich über die Wahl Benedikt XVI. freut. Bei manchen hält sich dieseFreude allerdings in Grenzen. Besonders in schwulen Kreisen hat esin den letzten Jahre viele Diskussionen über Kardinal Ratzingergegeben. "Die juristische Form einer Art Homosexuellen-Ehe istzerstörerisch für die Familie und die Gesellschaft," hatte er erst imNovember gesagt und fügte hinzu, dass dies auch die Moralvorstellungender Bürger verändere. Deshalb drohe, dass "die Aufgabe von Ehe undFamilie, den Fortbestand der Menschheit zu garantieren" verloren geht.

Alle Signale stehen also darauf, dass der konservative Kurs des am 2.April verstorbenen Johannes Paul II. beigehalten wird. Denn in seinerbisherigen Funktion als Vorsteher der Glaubenskongregation stellte sichheraus, dass Ratzinger ein konservativer Theologe ist, und vieleÄußerungen des Vatikans zur Sexualmoral stammen aus seiner Feder. Soauch der 37seitige "Brief über die Zusammenarbeit von Mann und Frau inder Weltkirche", in dem Ratzinger die These aufstellt, Gott habe "einechristliche Ehe gewollt", eine Ehe zwischen Mann und Frau. Regierungenhätten außerdem die Pflicht darauf zu achten, dass "Frauen ihrePflichten in der Familie" nicht vernachlässigen. Und Abtreibung stehtgar nicht erst zur Diskussion.

Ob es nun ein "historischer Moment" ist, wie Angela Merkel (CDU) ineinem offiziellen Pressestatement schwärmt , oder eine "große Freudeund Ehre" für Deutschland, wie es Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD)sieht, das sei dahin gestellt. Eines ist allerdings klar: Themen wieHomo-Ehe werden auch in Zukunft stark vom Vatikan kritisiert, neueDiskussionen werden entfacht und ändern wird sich wenig. Enttäuschungbei denjenigen, die auf einen reformorientierten Papst gehofft haben."Ein Ruck wird durch die Kirche gehen, weil er wortgewaltig nicht demZeitgeist hinterherlaufen, sondern die großen Werte zeigen wird, denWert des Lebens, der Freiheit und der Beständigkeit, wovon die meistenPolitiker nur noch wenig Ahnung haben," meint die BraunschweigerZeitung und hat damit die vergangenen Jahre scheinbar völligausgeblendet. Viel realistischer sieht man es in Köln.  

Ratzinger wird die Fundamente des Glaubens stärken, hat man bei derKölner Rundschau richtig erkannt. Diesen Satz wird sich Benedikt XVI.auf die Fahne schreiben, was sicherlich viele enttäuschen mag, "dienach dem Pontifikat Johannes Paul II. innerkirchliche Modernisierungfür dringlich halten." Welchen Weg Benedikt XVI. einschlagen wird, dasbleibt abzuwarten. Dennoch macht sich Pessimismus breit.

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