Endlich: Auch Jungs dürfen mit Barbie spielen

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Endlich: Auch Jungs dürfen mit Barbie spielen
Youtube/Moschino Official

Im Werbespot für die neue Moschino-Barbie spielt auch ein Junge mit. Das ist ein wichtiger Schritt für die Gleichberechtigung der Geschlechter.

Ja, man kann von der neuen Moschino-Barbie halten, was man möchte. Natürlich hat sie Maße, die nicht der Realität entsprechen. Und ob es so ratsam ist, Kinder von Anfang an ein Bewusstsein für teure Marken zu vermitteln, sei auch dahingestellt.

Denn in gewisser Weise ist die Puppe doch revolutionär - oder vielmehr die Art, wie sie beworben wird. Im Werbeclip zur Barbie spielt nämlich auch ein Junge mit. Es scheint, als ob sich in den Köpfen so mancher Marketing-Verantwortlichen die Gendergrenzen auflösen.

Ein wichtiger Schritt: Der Junge spielt selbstbewusst mit Barbie

1999 gab es schon einmal einen Jungen, der in der Werbung mit einer Barbie gespielt hat. Doch er musste warten, bis die Mädchen aus dem Zimmer waren, um mit der Bowling Party Stacie spielen zu können. Vor den Mädchen mit Puppen spielen? Undenkbar.

Dass der Junge heute selbstbewusst mit der Puppe spielt, ist ein kleiner, aber ein doch so wichtiger Schritt für die Gleichberechtigung der Geschlechter. Mit dem Gedanken, dass Puppen nur etwas für Mädchen und Autos nur etwas für Jungs sind, verabschiedet sich auch das patriarchale, männerdominierte Denken aus unserer Gesellschaft. 

Das Rollenverständnis ist tief in uns verankert

Wenn Kinder von Anfang an lernen, dass es keine typisch weiblichen oder männlichen Spielzeuge gibt, werden sie auch andere gesellschaftlichen Konzepte in Frage stellen. Wieso werden Frauen und Männer unterschiedlich bezahlt? Wieso gibt es kaum Frauen in Führungspositionen? Weshalb gibt es so wenige männliche Erzieher und weibliche Programmiererinnen?

Das alles sind Ergebnisse aus unserem traditionellen Rollenverständnis, aus der eben auch eine Ungleichbehandlung von Männern und Frauen folgt. Dieses Rollenverständnis ist tief in uns verankert, weil wir es von Kindesbeinen an - unterbewusst - eingetrichtert bekommen. 

"Leg die Barbie weg, du bist doch nicht schwul"

Das fängt schon mit der Farbe des Babyzimmers an: Hellblau oder rosa? Niemand würde das Zimmer für Max, der gerade erst das Licht der Welt erblickt hat, rosa streichen. Es ist unsere kulturelle Prägung, die uns vorgaukelt, rosa sei eine Mädchenfarbe. Schon Simone de Beauvoir wusste 1951: Man wird nicht als Frau geboren, man wird es.

Kinder verstehen diese Konzepte oft nicht. Sie akzeptieren es aber, wenn sie von der Gesellschaft Eltern, Geschwistern, Gleichaltrigen gemaßregelt werden. "Spiel nicht mit der Puppe, die ist was für Mädchen!" Oder noch schlimmer: "Leg die Barbie weg, du bist doch nicht schwul."

Kinder sollten damit spielen, worauf sie Lust haben

Es ist an der Zeit, diese Grenzen aufzulösen. Das hat nicht nur Folgen für Jungs, die endlich ruhigen Gewissens mit einer Puppe spielen dürfen. Nein, es hat auch Konsequenzen für den Arbeitsmarkt. Eine Studie der OECD hat in diesem März herausgefunden, dass mehr Mädchen als Jungs "einfach nicht gut in Mathe" sind auch wenn sie dieselben Leistungen wie ihre männlichen Klassenkameraden haben.

Wieso? Weil Schülerinnen eingetrichtert wird, dass sie einfach nicht für Mathe, Physik oder Informatik gemacht sind. Das Schubladendenken muss aufhören. Dann gibt es auch mehr Programmiererinnen und Grundschullehrer. Und mehr Kinder, die einfach mit den Spielsachen spielen, auf die sie Lust haben. Nur leider nicht mit der Moschino Barbie. Denn die ist bereits ausverkauft.

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Weitere Quellen: Youtube/Moschino Official